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Biotech
Die Ampeln stehen auf grün-weiß-rot

Bereits heute wird in den Lebenswissenschaften mit 19 Milliarden Euro ein Zehntel des Bruttoinlandproduktes von NRW erwirtschaftet. Täglich entstehen aus den Erfolgen der Life Science Branche menschliche wie materielle Gewinne und letztlich auch Arbeitsplätze. Jetzt ist die grün-weiß-rote Mannschaft des Landes aufgebrochen, die Tabellenführung in Europa zu
übernehmen.

eht es nach den Plänen der Landesregierung und der hiesigen Industrie, rückt Nordrhein-Westfalen zum bedeutendsten deutschen Cluster der Biotechnologie auf. Prozeßbeteiligte aus den Sparten Biologie, Chemie, Medizin und auch Informatik haben quer durch alle Disziplinen die Bedeutung der intersektoralen Zusammenarbeit verstanden: Start-Ups suchen und finden die Nähe zu den Großen der Chemie- und Pharmaindustrie und bringen ihre Innovationen mit deren Hilfe zur Marktreife. Findige Mittelständler entwickeln neuartige Instrumente für den weltweiten Erfolg der gesamten Branche. Die Landesregierung bekennt sich unmißverständlich zum Fortschritt und unterstützt die Entwicklung der vielleicht wichtigsten Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts durch Förderprogramme für Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen gleichermaßen. Die weltweit umworbenen Wissenschaftler einer exzellenten Hochschullandschaft wollen ihre Transferleistungen professionalisieren und so mit der regionalen Wirtschaft die Zeitspanne zwischen Erkenntnissen der Grundlagenforschung und neuen Produkten verkürzen.
Rings um die großen Forschungseinrichtungen entstehen mit der Unterstützung der jeweiligen Städte und Gemeinden hochspezialisierte Technologieparks. Die Ausgangslage in NRW ist gut, das Ziel dennoch hoch gesteckt. Bis 2015 müßten für eine europaweite Vergleichbarkeit mindestens drei Prozent des Bruttoinlandproduktes
in Forschung und Entwicklung investiert werden. Zuletzt lag die Forschungsquote von öffentlicher Hand und den Unternehmen in NRW bei gerade einmal 1,8 Prozent und damit deutlich hinter dem Bundesdurchschnitt von 2,6 Prozent.

Bewegende Vergangenheit

Es wird die Biotechnologie sein, die das Forschungsvolumen in NRW massiv nach oben bringt. Trotz einer jetzt schon bewegenden Vergangenheit drängt die junge Branche ständig und unbeirrt nach vorn. 1953 entdeckten die amerikanischen Wissenschaftler James Watson und Francis Crick die doppelsträngige Struktur der Desoxyribonukleinsäure, kurz DNS oder DNA. Zwanzig Jahre später übertrugen Forscher erstmals im Reagenzglas neu kombinierte DNS in das Darmbakterium Escherichia coli und schufen damit den ersten „rekombinanten“ Organismus. Dieser Vorgang gilt heute als eigentliche Geburtsstunde der Gentechnik und damit auch der modernen Biotechnologie.
1976 gründeten Herbert Boyer und Robert Swanson in San Franciso Genentech, das erste Biotech-Unternehmen der Welt, das inzwischen für 2,1 Milliarden US-Dollar von dem Pharmariesen Roche gekauft wurde und mit 7.000 Mitarbeitern eines der drei größten Biotechnologie-Unternehmen weltweit ist. 1984 folgte mit der damals noch Diagen genannten, heutigen Qiagen, einer Ausgründung der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Uni, das erste Biotechnologieunternehmen aus Deutschland, das zu Weltruhm gelangte. Mit der Erkrather Neuraxo schickt sich die Region an, erneut Biotech-Geschichte zu schreiben. Das junge Unternehmen entwickelt Therapien für akute und chronische Rückenmarksverletzungen. Erste präklinische Tests verliefen erfolgreich, noch in diesem Jahr sollen die ersten klinischen Studien am Menschen beginnen.

Eine der erfolgreichsten technologie-politischen Fördermaßnahmen

Obwohl auch NRW zunächst mit einer eher ablehnenden Haltung in der Bevölkerung zu kämpfen hatte, ging das Bundesland 1997 aus dem „BioRegio-Wettbewerb“ deutlich als einer der drei bedeutendsten Cluster der Biotechnologie in Deutschland hervor. Der Wettbewerb gilt noch heute, auch international, als eine der erfolgreichsten technologie-politischen Fördermaßnahmen und hat zum landesweiten Aufbau von Biotechnologie-Kompetenz geführt. Zunächst konzentrierte sich die biotechnologische Forschung auf die Region Köln, Jülich, Aachen und Düsseldorf – seit 2003 unter dem Namen „BioRiver“ bekannt. Das Münsterland legte einen Schwerpunkt auf Molekularmedizin, funktionelle Genomik und Nanobiotechnologie. Bioverfahrenstechnik und Biomikrostrukturtechnik sind inzwischen die Themen im Ruhrgebiet, wo zum Beispiel die Essener Universitätsklinik erfolgreich ein Biochip-Labor betreibt. Unterstützt wurde die Dynamik durch das zunehmende Interesse des Kapitalmarktes an jungen Biotech-Unternehmen. Die Börsenschwäche zur Jahrtausendwende setzte dem Boom zwar ein jähes Ende, aber aus der dadurch einsetzenden Marktbereinigung entstanden Unternehmen, die ihren Fokus klar auf ihre Kernkompetenzen lenken und ihre Marktchancen zu nutzen wissen.


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