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Lunch mit ... „Brasilien wird ein wichtiger Faktor“ Düsseldorf (12/2006) Gerd Kerkhoff gilt als der Beschaffungs-Experte in Deutschland. Das Unternehmen Kerkhoff Consulting mit Sitz in Düsseldorf und Büros weltweit berät Unternehmen beim Einkauf und der internationalen Beschaffung. Wirtschaftsblatt-Herausgeber Michael Oelmann traf ihn für die Reihe „Lunch mit...“ bei seinem „Lieblingsitaliener“Rosati in Düsseldorf zum Gespräch.
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Wie verbringen Sie Ihre Mittage? Nutzen Sie den Lunch auch für geschäftliche Gespräche? Gerd Kerkhoff: Falls es mir die Zeit erlaubt, gehe ich gern mittags essen. Bin ich in Düsseldorf, meist gemeinsam mit meiner Frau. Sie ist mit mir in der Geschäftsleitung tätig und auch Gesellschafterin der Gruppe. So nutzen wir auch die Zeit, um Geschäftliches zu besprechen.
Sie beraten Unternehmen auch im „Global Sourcing“ – also der weltweiten Beschaffung; besuchen regelmäßig Ihre Tochterfirmen in Brasilien, China, Malaysia, Osteuropa und Südafrika. Sind Sie auch, was das Essen angeht, international? Kerkhoff: Am liebsten esse ich italienisch: Penne Arrabiata. Mein Favorit ist das Rosati oder die Trattoria San Leo in der Düsseldorfer Altstadt.
Reisen – macht Ihnen das überhaupt noch Spaß? Kerkhoff: Auf jeden Fall. Zumal ich mich bemühe, den einen oder anderen freien Tag mit Geschäftsreisen zu verbinden. Es ist immer wieder faszinierend, Einblicke in andere Länder zu gewinnen und deren Menschen kennenzulernen. Beispielsweise war ich kürzlich Mitglied einer Wirtschaftsdelegation, die Wirtschaftsminister Glos nach Malaysia begleitet hat. – Das ist schon spannend, internationale Politik hautnah mitzuerleben.
Michael Glos steht bisweilen in der Kritik, er sei nicht laut genug vernehmbar als Wirtschaftsminister. Wer ihn kennt, weiß aber, daß er eher im Hintergrund agiert. Wie ist Ihre Einschätzung? Kerkhoff: Ich habe ihn als sehr intensiven Verfechter der Interessen unserer Wirtschaft kennengelernt. Er ist überdies äußerst interessiert, sehr lernbegierig und sucht das persönliche Gespräch. Das finde ich gut, auch wenn er vielleicht nicht die Eloquenz eines Gerhard Schröder hat.
Zurück zu Ihrem anstrengenden Job. Wie halten Sie sich fit? Kerkhoff: Ich jogge täglich, spiele Golf und Tennis und fahre Ski.
Ihr Ratschlag gegen „Jetlags“? Kerkhoff: Ich versuche, mich stets schon beim Einsteigen in die Maschine mental auf die Ankunftszeit einzustellen und diese sozusagen zu antizipieren. Manchmal hilft auch eine Schlaftablette, um in den richtigen Rhythmus zu kommen. Vor allem: keinen Alkohol während des Fluges!
Wie weit fortgeschritten ist Ihrer Kenntnis nach die internationale Beschaffung bei deutschen Unternehmen? Kerkhoff: Auch wenn die Unternehmen die Möglichkeiten schon erkannt haben, besteht doch immer noch ein sehr großes Potential durch den weltweiten Einkauf. Die Schwierigkeit, gerade für mittelständische Unternehmen, besteht eben darin, die erkannten Möglichkeiten auch zu realisieren. Die Einkaufsabteilungen sind oft zu schmal aufgestellt, um die Schwierigkeiten und auch den zeitlichen Aufwand des internationalen Sourcing zu schultern. Erst recht, wenn es um den Aufbau eines eigenen Büros vor Ort geht.
Wieviel Einsparpotential gibt es bei der internationalen Beschaffung; läßt sich das generell beziffern? Kerkhoff: Allgemein kann man davon ausgehen, daß bei produzierenden Unternehmen etwa 20 Prozent des gesamten Einkaufs im Ausland bezogen werden können. In diesen 20 Prozent lassen sich Einsparpotentiale zwischen 10 und 50 Prozent realisieren.
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Sie sind der Ansicht, daß die öffentliche Hand durch verbesserte Beschaffung Milliardenbeträge einsparen könnte. Sie sprechen von 25 Milliarden Euro deutschlandweit; das wäre über eine Milliarde für NRW. Kerkhoff: Einsparpotentiale liegen ja nicht nur im globalen Einkauf allein, sondern generell in der Professionalisierung des Einkaufs. Und da kann die Qualität in den Verwaltungen durchaus noch erhöht werden. Es ist bei der öffentlichen Hand genau wie bei den Unternehmen: Je genauer eine Ausschreibung ist, desto besser ist das letztliche Ergebnis.
Hat der Italiener, bei dem wir hier so genüßlich sitzen, auch Einsparpotentiale? Kerkhoff: Davon gehe ich aus.
Aber nehmen wir an, der Koch würde nicht mehr auf seinem Lieblingsmarkt einkaufen, sondern in einem billigeren Großmarkt – vielleicht würde er die Lust am Kochen verlieren, und das würden Sie schmecken. Kerkhoff: Ich glaube nicht, daß man es unbedingt schmecken würde, wenn er woanders preiswerter einkauft. Das ist doch gerade die Kunst: Günstiger Einkaufen ohne Qualitätsverlust! Gibt es Trends bei den Billiglohnländern? Erst war es Osteuropa, dann Asien. Kerkhoff: Man kennt in der Branche in der Tat das Motto „Go East“: Erst war man mit seiner Produktion in Polen, dann in der Ukraine und jetzt eben in China. Je weiter östlich man geht, desto geringer die Lohnkosten. Hier wird es allerdings auf lange Sicht einen Anpassungsprozeß geben.
Und wohin zieht die Karawane als nächstes? Kerkhoff: Einen wichtigen Faktor dürfte künftig Brasilien darstellen. Dort wird gerade in einem großen Programm die Ausbildung von 200 Millionen jungen Menschen vorangetrieben, um diese aus den Ghettos zu holen. Hier werden temperamentvolle und gut qualifizierte Arbeitskräfte auf den Markt kommen.
Ist Ihr Unternehmen auch dort schon vor Ort? Kerkhoff: Ja, mit einem Büro in São Paulo. Wir sind auf jedem Kontinent vertreten – außer in Australien.
Manche Mittelständler gehen bereits wieder den anderen Weg – zurück beispielsweise aus osteuropäischen Ländern, weil Qualitätsprobleme und allgemeine Abstimmungsschwierigkeiten den Kosteneffekt nicht aufwiegen. Kerkhoff: Das wird es immer geben, daß Lieferungen nicht ankommen oder die Qualität nicht stimmt. Das liegt in solchen Fällen häufig an der mangelnden Professionalität der Vorbereitung, also beispielsweise, wenn die Qualitätssicherung vor Ort nicht gewährleistet ist.
Was glauben Sie, wohin wird sich die deutsche Wirtschaft entwickeln: Wird es überhaupt noch klassische Produktion geben? Oder montieren wir nur noch, was woanders hergestellt wurde? Kerkhoff: Ich glaube, in Deutschland wird stets auch produziert werden. Vor allem, wenn es um komplexe Einheiten, komplizierte Technologien und patentgeschützte Verfahren geht. Auch, um die Gefahr von Plagiaten abzuwenden. Im übrigen hat die Verlagerung ins Ausland ja nicht immer nur den Sinn, Kosten zu sparen. Es geht ja auch um das Erschließen von zusätzlichen Absatzmärkten vor Ort. Gerade in boomenden Regionen finden Produkte aus Deutschland neue Kunden. Und das ist gut für unsere Wirtschaft, ja lebensnotwendig.
Was antworten Sie jenen, die Ihnen vorwerfen könnten, Sie sorgten für Stellenabbau in Ihrer Heimat? Träfe Sie ein solches Argument? Kerkhoff: Nein, das trifft mich nicht, denn es gibt immer auch die Gegenbeispiele. Wenn vielleicht in dem einen Fall eine Fertigung nach China verlagert wurde, dann weiß ich aber auch von neuen Stellen am Hamburger Hafen, der von der weltweiten Logistik profitiert. Wenn wir von einer globalisierten Arbeitsteilung sprechen, dann handelt es sich ja um Verschiebungen, nicht um Abbau. Und das stimmt allerdings – daß wir manchmal Verschiebungen veranlassen: innerhalb der Welt, aber auch innerhalb Deutschlands.
Sind Sie privat ein sparsamer Mensch? Kerkhoff: Sie kennen ja das Sprichwort: „Der Schuster hat stets die schlechtesten Sohlen.“ Meine Frau wirft mir jedenfalls regelmäßig vor, wenn man mich beim privaten Einkauf erlebe, könne man kaum glauben, daß wir in diesem Bereich so erfolgreich beraten.
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