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Branchenreport Zurück in die Zukunft Aus einem Sorgenkind wird ein Hoffnungsträger. Mit neuen Herstellungsmethoden und innovativen Produkten ist die Metallbranche in NRW auf Wachstumskurs. Dank weiter steigender Exporte und einer anziehenden Inlandsnachfrage stellen die ersten Unternehmen vor allem aus dem Mittelstand auch zusätzliche Mitarbeiter ein. Nach einer harten Phase der Restrukturierung könnte Metall so wieder zum Kraftstoff für die Wirtschaft des Landes werden.
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Ein Manager aus der Kunststoffindustrie soll es einmal so auf den Punkt gebracht haben: „Wo immer Sie in NRW Ihren Fuß hinsetzen – Sie treten auf Metall.“ Die Bedeutung der Branche für Nordrhein-Westfalen wird beim Blick auf die Zahlen deutlich. Allein rund 285.000 Menschen verdienten bei der letzten Erhebung des Statistischen Landesamtes in NRW ihr Geld mit der Erzeugung und Bearbeitung von Metall oder der Herstellung von Metallerzeugnissen. Ihr Anteil an der Wertschöpfung des Landes beträgt 9,6 Prozent. Nur die chemische Industrie (15 Prozent) und der Maschinenbau (12 Prozent) sind stärker.
Rund um die Ruhr
Die historische Ursache für die herausgehobene Stellung der Metallbranche in Nordrhein-Westfalen findet sich tief unter dem Ruhrgebiet. Denn hier ist der Boden reich an Erz- und Steinkohlevorkommen. Und auch wenn viele Städte der Region nach dem Niedergang der Montanindustrie immer noch mit massiven wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben, darf nicht vergessen werden, wie wichtig dieser Teil des Landes für den heutigen relativen Wohlstand in Nordrhein-Westfalen war und in einigen Bereichen weiterhin ist. Heute wird hauptsächlich im westlichen Ruhrgebiet Metall hergestellt. Duisburg ist sogar weltweit der bedeutendste Standort für die Rohstahlproduktion. In der Mitte, im Osten und auch in den angrenzenden Regionen konzentriert sich die Weiterverarbeitung in Schmieden, Kaltwalzwerken und Ziehereien.
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Stahlkraft für die Welt
Unter den metallischen Werkstoffen ist Stahl mit weitem Abstand das wichtigste Vormaterial der verarbeitenden Industrie. „Die größten und bedeutendsten deutschen Unternehmen aus Branchen wie dem Maschinenbau und der Automobilindustrie sind auf unsere Produkte angewiesen“, sagt Professor Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl und Vorsitzender des Stahlinstituts VDEh. Er führt auch das Stahl-Zentrum in Düsseldorf, unter dessen Dach 14 Organisationen als Dienstleister für Stahlunternehmen tätig sind. Der Standort des nationalen Kompetenzzentrums mit heute 500 Mitarbeitern ist ein weiterer Beleg für die starke Stellung Nordrhein- Westfalens in der Branche. „Knapp die Hälfte der Rohstahlkapazitäten der Bundesrepublik entfallen auf NRW“, ergänzt Ameling.
Stahl wird hier zum größten Teil auf der Grundlage von Erz und Koks im sogenannten Konverterstahlverfahren erzeugt. Vor allem die starke Nachfrage nach hochwertigem Qualitätsflachstahl sorgt bei den hiesigen Walzwerken für volle Auftragsbücher. Neben warmgewalzten Blechen glänzen die Unternehmen aus NRW auch mit Spezialitäten aus dem so genannten Downstream-Bereich, zu dem beispielsweise kaltgewalzte Bleche gehören.
Allein zwischen Rhein und Ruhr arbeiten doppelt so viele Betriebe auf diesem technologisch hochanspruchsvollen Sektor wie im gesamten restlichen Bundesgebiet. Und auch im globalen Verdrängungswettbewerb hat sich die hiesige Stahlindustrie mit der Entwicklung und Herstellung innovativer Spezialstähle besser behauptet als die Konkurrenz. Die nordrhein-westfälischen Unternehmen decken heute mit ihren Spitzenprodukten die gesamte Palette der Stahlerzeugung und Weiterverarbeitung bis hin zur Oberflächenveredelung ab. Außerdem sorgen sie mit der Entwicklung fortschrittlicher Herstellungsmethoden wie zum Beispiel dem Dünnbrammgießen immer wieder für den weltweiten Fortschritt der Branche. Stahl aus NRW ist ein echter Exportschlager. Die Kunden kommen zum Großteil aus Europa, aber auch verarbeitende Betriebe aus China, den USA oder dem Mittleren Osten schwören auf die Qualitätsprodukte von Rhein und Ruhr.
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Metall für alle Lebenslagen
„Zur stahl- und metallverarbeitenden Industrie zählen die Wertschöpfungsstufen Vorprodukte, Halbzeuge und Enderzeugnisse“, berichtet Diplom-Ingenieur Ulrich Galladé, Präsident des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) mit Sitz in Düsseldorf und geschäftsführender Gesellschafter der Galladé Umformtechnik GmbH & Co. KG in Witten. Industrielle Dienstleistungen kämen noch hinzu. Der WSM vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von Unternehmen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Zu den Mitgliedern gehören unter anderem Gesenkschmieden, Konsumgüterhersteller, Bauzulieferer, Werkzeugbauer, Kaltwalzwerke, Umformbetriebe, Schraubenhersteller, Wehrtechnikfirmen, Drahthersteller und Schildermacher – um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Die Liste ist so lang wie die Anwendungsbereiche für Stahl und Metall.
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In Nordrhein-Westfalen gibt es heute verschiedene regionale Schwerpunkte für bestimmte Branchen. So ist Remscheid seit Jahrhunderten für seine Werkzeughersteller bekannt, und jeder Koch irgendwo auf der Welt bringt Solingen mit scharfen Klingen in Verbindung. Die Städte Velbert und Heiligenhaus glänzen als Schlüsselregion mit starkem Besatz an Unternehmen aus dem Bereich Schließen und Sichern. Die Oberflächentechnik und Oberflächenveredelung ist sehr stark in Südwestfalen vertreten, und im Sauerland ist zu einem großen Teil die deutsche Armaturenindustrie ansässig. Im Märkischen Kreis sind zudem außerordentlich viele Schmieden, Kaltwalzwerke, Drahtziehereien, Blechverarbeiter sowie Schrauben- und Federnhersteller angesiedelt. Immens wichtig und landesweit vertreten ist die Automobilindustrie. Im Umfeld der nordrhein-westfälischen Produktionsstandorte Bochum (Opel), Köln (Ford) und Düsseldorf (Mercedes-Benz) sorgen weit über 2.000 direkte Zulieferer für Beschäftigung.
Die Stimmung in der hiesigen Stahl- und Metallwirtschaft ist so gut wie lange nicht mehr. Die Unternehmen profitieren vom Wirtschaftwachstum. Die Stahlproduzenten konnten ihre Lagerbestände weiter reduzieren. Sie erwarten eine solide Nachfrage aus dem Ausland, und auch der Bedarf aus dem Inland soll endlich wieder wachsen.
Blick in die Zukunft
Ein Negativfaktor, mit dem alle Unternehmen der Metallbranche zu kämpfen haben, sind die steigenden Energiekosten im Land. Weitere Steigerungen seien Gift für die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Hersteller und Verarbeiter. Um auf globalen Märkten bestehen zu können, fordert die energieintensive Branche von den Verantwortlichen Politikern in Düsseldorf ein zukunftsfähiges Energiekonzept.
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