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Genie und Geld
Heines ironisch-ernsthaftes Verhältnis zur Wirtschaft

Ohne Gedenkjahre läuft heutzutage, was die Erinnerungskultur betrifft, überhaupt nichts mehr. Schiller war so tot wie nur möglich und wurde pünktlich zum jüngst begangenen 200. Todesjahr auf imponierende Weise wiedererweckt. Heinrich Heine widerfährt, besonders in den Feuilletons und durch tausendfache Vertonungen, zwar eine gewisse dauerhafte Anteilnahme, aber sein 150. Todesjahr kommt auch seiner Präsenz, jedenfalls in Bezug auf die Breitenwirkung, durchaus zugute.


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Jedoch ist dieses gesteigerte Interesse nicht nur für ihn und sein Werk von Vorteil. Auch die Geburtsstadt Düsseldorf profitiert davon und hat vom Ruhm ihres größten Sohnes schon immer und überall etwas abbekommen.Sie ist gegenwärtig auf dem für die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt ansonsten nicht gerade typischen literarischen Sektor gar im Munde sämtlicher deutschsprachigen Verlage, in Rundfunk und Fernsehen. Auch die internationalen Veranstaltungen lassen sich nicht lumpen. Ein Dichter als Weltkulturerbe wirft immer, trotz mancher inzwischen glücklich überstandener Querelen, ein positives Licht auf den Ort seiner Herkunft. Düsseldorf und der Rhein sind in aller Welt ohne Heine, sein Loreley-Gedicht und manche Reminiszenzen an seine rheinische Kindheit und Jugend eben nicht mehr zu denken.

Diese Reputation, wie Heine das Phänomen der Nachwirkung gerne bezeichnet hat, wäre ihm nicht unlieb gewesen. Auch vor dem wirtschaftlichen Effekt, dem rasant angestiegenen Verkauf seiner Werke, der Verbreitung von Literatur über ihn und vor den zahllosen Terminen, die ihm gewidmet sind und stets Genie mit Geld verknüpfen, wäre er nicht zurückgeschreckt. Immerhin war er Kaufmannssohn, hatte selbst in Hamburg Kaufmann werden sollen und den dortigen sagenhaft reichen Bankier und Mäzen Salomon Heine zum Onkel. Die Pariser Rothschilds gehörten zu seinen Freunden. Wenn er über Geld sprach, hatte er keine Berührungsängste, sondern brachte die große Suppenfrage und die große Kamelfrage aufs Tapet als Hinweis auf tragfähige soziale Bedingungen, ohne die kein gesellschaftspolitischer Frieden zu erreichen ist.

Auch war ihm bewußt, daß das Geld zum Gott der neuen Zeit emporgestiegen war. Pragmatische Warnungen sind seine Sache im Blick auf eine gerechte Verteilung der Ressourcen der Erde. Aber selbst von Trinkgeld ist bei ihm die Rede: Das würden später die Engländerinnen im Geburtshaus an der Bolkerstraße geben, das übrigens gerade zu einem Literaturzentrum hergerichtet wurde und eine Buchhandlung beherbergt. s
Professor Dr. Joseph A. Kruse ist Direktor des Heinrich-Heine-Instituts in Düsseldorf und Geschäftsführer der Heinrich-Heine-Gesellschaft



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