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Handwerker ohne Poesiealbum Der Sprachverfall, mitunter als hohe Kunst dargestellt, ist unüberhörbar. Und infektiös dazu. Der ehemalige Außenminister Genscher gehört zu den Politikern, die früh wohl gesetzte Worte fanden für alles, was sie nicht sagen wollen. Sein Nachfolger Fischer hat in ihm längst seinen Lehrmeister erkoren.
Wolfgang Schulhoff ist dem wortreichen Nichtssagen nie verfallen. Fast ein Wunder. Wie kann jemand, der von 1983 bis 2002 dem Bundestag angehört hat, der verführerischen Worthülse widerstehen?
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Ein Abgeordneter im Widerstand. Wer diesen Begriff ernst nimmt, hat die Spur des Christdemokraten Schulhoff aufgenommen. Handwerker schreiben selten ins Poesiealbum. Sie haben es lieber deftig und klar. Kurzum: An die Spitze ihrer eigenen Organisationen wählen Handwerker sicher jemanden, den sie verstehen. „Den Schulhoff kannste verstehen“, sagt einer, der ein kleines Unternehmen führt. „Den Schulhoff“ haben sie Anfang 2003 zu ihrem Kammerpräsidenten gemacht. Da war er gerade 64 Jahre alt geworden. Schon den Vater konnte man verstehen. Und wie. Auch er Parlamentarier, auch er Kammerpräsident. Einer, bei dem sich deutsche Bundeskanzler auf Meisterfeiern Ohrfeigen in Serie abholten. Georg Schulhoff war ein Freund von Holz und Beil.
Das ist sein Sohn nicht. Der rüde Umgang ist nicht sein Ding. Und doch nennt er Dinge, die ihn beschäftigen, so deutlich beim Namen, daß glatten Polit-Polierern schon mal verdammt mulmig wird. Helmut Kohl, der Ex-Kanzler, wird sich an so manchen Disput mit seinem Euro-Skeptiker Schulhoff erinnern. Das intakte Immunsystem zur Abwehr des geschmeidig verbogenen Wortes liegt in der Bildungsbiografie begründet. Unter der Obhut eines dominanten Elternhauses fand der Junior einen weit gefächerten Berufsweg: Nach dem Abitur Gesellenprüfung als Installateur, Studium der Wirtschaftswissenschaften in Köln, Diplom als Volkswirt. Und dann im Zeitraffer: Mitglied des Stadtrates, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion. Plötzlich die Chance, nach Bonn zu gehen. Abdriften als Polit-Profi mit wenig Bodenkontakt? Die eigene Firma in fremde Hände geben? Adieu Familie, ich gehe auf Reisen? Rückblickend gibt die Sprache Hinweise auf einen verwurzelten Bodenkontakt. Er findet sich auch in der vertiefenden Hingabe an die Kunst, die sich „auf meiner Insel“ (gemeint ist die Museumsinsel Hombroich) mit einem Stück intakter Natur verbindet und dort einen Harmonie-Menschen begleitet. Heimatverbundenheit ist die Basis für Neugierde. Auf andere Kulturen, auf andere Religionen als Standortbestimmung für das Christentum. Schulhoff hat aber nie die Chance, sich zu verlieren. Herausforderungen im Betrieb, in der Familie, in der Hochschule für Technik und Wirtschaft Mittweida erscheinen wie Halteseile. Studenten der Volkswirtschaftslehre lassen einem Honorarprofessor, und dann noch einem aus dem Westen, weltumspannend-unpräzise Begriffsbestimmungen nicht durchgehen. Schulhoff ist ein Mann im Rentenalter. Nachmittags Besuch der beiden Töchter, zwei Enkelkinder auf dem Schoß. Hänschen klein, wir singen ein Lied. Alle zusammen. Viele Rentner erleiden den langsamen Abschied, weil sich Berufstätige ausgedacht haben, wie der Lebensabend auszusehen hat. Wer es wagen sollte, bei Schulhoff einen Ohrensessel abzuliefern, etwa zum Geburtstag, könnte ihn gleich wieder mitnehmen oder ihn – als Happening – zerschlagen. Studenten, Handwerker, Künstler, Freunde oder fordernde Familienangehörige zapfen Kräfte ab. Und die wachsen erstaunlich gut nach. Der Kammerpräsident ist Ehren-Vorsitzender der CDU Düsseldorf. Wie er sich einmischt und bisweilen den Aktiven sogar Beine zu machen versteht, verdient Respekt. Wer mutig auch schon mal gegen den Strom schwimmen will, schafft das nicht allein durch Fitness im Kopf. Der innere Schweinehund lauert auf einem Fahrrad, das nicht von der Stelle kommt, oder auch beim Golfen. Auf dem Grün schlägt das Schicksal erbarmungslos zu, weil die Tagesform nicht programmierbar ist.
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