Kaffee kochen lassen lernen Frauen im Business: Mit Mut und Glauben an sich selbst stellt sich der Erfolg ein
„Hat sich Ihr Chef verspätet?“ wurde die langjährige Geschäftsführerin eines Düsseldorfer Software-Hauses schon häufiger gefragt, wenn zu Beginn einer anberaumten Konferenz mit einem neuen Klienten kein Mann am Tisch saß.
Die Überraschung, eine Frau in der Rolle der Geschäftsführerin zu erwarten, ist, selbst wenn sie mit vollem Namen angekündigt war, noch größer als der Schritt, sie dort nach dem Ausloten ihrer Kompetenz zu akzeptieren.
Die Zahlen scheinen der noch stark männlich dominierten Führungscrew der deutschen Wirtschaft recht zu geben: Gerade 35 Prozent aller Gründungen gingen im vergangenen Jahr auf Frauen zurück, drei Prozent der Führungspositionen in der Wirtschaft werden von Frauen besetzt, und selbst im öffentlichen Dienst, an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Forschung, gehen magere 12 Prozent der Professoren-Stellen an Frauen. Gleichzeitig ist es längst kein Geheimnis mehr, daß Frauen die besseren Schul- und Studienabschlüsse liefern und höhere Anfangsqualifikationen mit in den Beruf bringen. Während die Politik auf dieses Phänomen mit Quoten reagiert hat, setzt sich in der Wirtschaft der oder die Bessere durch, oder doch nicht? Braucht es etwa auch Frauen-Quoten für Management-Posten? Die mangelnde Realisierbarkeit dieser Idee außen vor gelassen, würden die meisten Frauen, die sich nach oben gearbeitet haben, mit Entsetzen abwinken: Eine Quoten-Frau? Nein, danke. Frauen, die heute in den Führungsetagen der Unternehmen sitzen, wissen, was sie geleistet haben. Sie mußten durchweg besser sein als ihre männlichen Mitbewerber, durften sich keinen Faux pas erlauben, nie eine Schwäche zeigen. Aber sie betonen: Frauen sind belastbar und leistungsfähig und sind in der Lage, auch lange Strecken auf steinigen Wegen zu gehen. 44 Prozent aller Existenzgründungen durch Frauen finden sich laut aktueller Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau, der klassischen Bank für den Existenzgründer, im Dienstleistungssektor: Als Beraterin, Kosmetikerin oder im sozialen Bereich fühlen sich viele Frauen wohl. Im produzierenden Gewerbe, das oft lange Arbeitserfahrung in der Produktion voraussetzt, sind Frauen Seltenheiten. Gleiches gilt für den Forschungsbereich: Nach dem Universitätsabschluß steht für junge Frauen oft die Familienplanung im Vordergrund, nach der Kinderpause ist der Anschluß an die Forschung verpaßt. Generell gilt der Abschluß der Kinderphase als Startschuß für die Selbständigkeit. Frauen testen ihre Gründungsidee am liebsten im Nebenjob. Dazu nehmen sie geringere Startkredite in Anspruch als die männlichen Gründer. Kurzum: Gründerinnen sind statistisch gesehen vorsichtiger und zurückhaltender. Ihre Unternehmen wachsen langsamer, aber mit einem sicheren Gespür für das tatsächlich Machbare kontinuierlicher.
Selbständigkeit als Lebensstrategie
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA), das sich sowohl auf wissenschaftliche Studien als auch auf Erfahrungsberichte von Gründerinitiativen und Beratungsstellen beruft, führt die Tatsache, daß Frauen zwar 44 Prozent aller Erwerbstätigen stellen, aber nur 28 Prozent der Selbständigen, auf ihre geringere Berufs- und Führungserfahrung durch die Zeit für die Kindererziehung, mangelnde betriebswirtschaftliche Qualifikation und fehlende Kontakte im Markt zurück. Als Stolperfalle nennt das BMWA weiter geringeres Eigenkapital als bei den männlichen Konkurrenten, was wiederum auf das fehlende eigene Einkommen und damit die wirtschaftliche Abhängigkeit wegen der Erziehungszeit zurückzuführen ist. Der Faktor Familie wird als nicht zu unterschätzende Zusatzbelastung gewertet. Ihre rückhaltlose Unterstützung ist für Unternehmerinnen unabdingbar. Schlussendlich unterstellen Verhandlungspartner Frauen oft mangelnde Risikobereitschaft, die auch die Größe des geplanten Unternehmens und seine Durchschlagkraft am Markt in Mitleidenschaft zieht, und bezweifeln die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten. Die Statistik untermauert diese Beobachtungen: Neun von zehn Existenzgründerinnen melden eine Einzelgründung an, die Rechtsform der GbR wird von circa fünf Prozent der Frauen gewählt, GmbHs und Co. KGs von nur weniger als einem Prozent. Die männlichen Mitstreiter beweisen hier mehr unternehmerischen Wagemut. Selbständigkeit, so eine aktuelle Studie, ist für viele Frauen Lebensstrategie. Sie ermöglicht einen maßgeschneiderten Arbeitsplatz mit oft unter zwanzig Wochenstunden im Job. Damit verfolgen Frauen, wie die Beraterin für Karriere und Unternehmensentwicklung Margot Abstiens beschreibt, ein integriertes Wachstum von Persönlichkeitsentwicklung und Solidarität, was – ohne das Gebot der Wirtschaftlichkeit auszublenden – einen die Fülle des Lebens bejahenden Mehrwert bietet. Wo bleiben in dieser Bilanz aber all die Frauen, die weit mehr als eine 40-Stunden-Woche investieren und sich ganz der Karriere oder dem Gedeihen des eigenen Unternehmens verschreiben? Ist ihr Handeln von Zaghaftigkeit und begrenzter Kompetenz geprägt? Das Gegenteil ist mit Sicherheit der Fall: Das starke Interesse daran, kompromißlos gute Leistung unter Beweis zu stellen, treibt diese Frauen zu Spitzenergebnissen. Ihr Aufstieg in der Geschäftswelt ist damit aber noch lange nicht sicher gestellt. Outfit und Aussehen werden oft höher bewertet als ihre Kompetenz. Tagtäglich müssen sie ihre männlichen Kollegen, Vorgesetzen und Geschäftspartner von der Seriosität ihres Tuns überzeugen, eine Prämisse, die den männlichen Mitspielern im Global Play vorbehaltlos zugebilligt wird.