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Duisburgs OB im Interview
Zwischen Metropolregionen, DEMO und Meiderich

Wie soll sich die Region im internationalen Wettbewerb der Standorte präsentieren? Die Frage beschäftigt die Gemüter an Rhein und Ruhr. Nicht erst seit gestern und wahrscheinlich auch noch morgen. Interessante Vorschläge haben die Runde gemacht und wurden von den Mühlen des politischen Apparats wieder zermahlen. Wirtschaftsblatt-Chefredakteur Michael Kranz traf Oberbürgermeister Adolf Sauerland in Duisburgs historischem Rathaus, um zu erfragen, wo der CDU-Politiker seine Stadt angesiedelt sieht.

Herr Sauerland, wo liegt eigentlich Duisburg? In der Metropole Ruhr, in der Rhein-Ruhr-City oder im Ruhrgebiet?
Adolf Sauerland:
Die Frage, wie und in welcher Zusammensetzung sich die Kommunen aus der Rhein-Ruhr-Region am besten präsentieren können, ist spannend und vielschichtig. Einzig die bekannteste Bezeichnung hat ihre Halbwertzeit wohl eindeutig überschritten. Der Begriff Ruhrgebiet steckt voller Kohle und Stahl. Wenn im kommenden Jahr unsere letzte Zeche schließt, wird dieses Bild mehr und mehr verblassen. Früher waren alle Städte an der Ruhr gleich strukturiert, heute positioniert sich jede Stadt mit ihren individuellen Stärken. Um sich als Wirtschaftsraum weiterhin gemeinsam präsentieren zu können, braucht man eine neue Klammer.

Würden Sie sich eine solche Klammer für die alte Besetzung wünschen, oder sollte der Kreis größer geschlagen werden?
Sauerland:
Gerade wir Duisburger sind sehr daran interessiert, dass bei gemeinsamen Auftritten die Rheinschiene integriert werden kann. Dazu müssen aber alle beteiligten Städte die Bereitschaft zu einem kooperativen Miteinander signalisieren. Ich denke, dass die starken Städte der Region sich keinesfalls als Hinterland von zum Beispiel Düsseldorf vermarkten lassen würden. Eine gemeinsame Marke für den Rhein-Ruhr-Raum lässt sich nur etablieren, wenn alle Partner auf Augenhöhe miteinander agieren.

Rhein oder Ruhr, welcher Bezugspunkt ist für Duisburg denn wichtiger?
Sauerland:
Beide Flüsse sind gleich wichtig, und das nicht nur, weil Duisburg der wichtigste Inlandhub für Rotterdam und Antwerpen und damit für zwei der bedeutendsten Seehäfen Europas ist. Unsere Stadt ist schließlich auch das Bindeglied zwischen dem Rheinland und den Städten an der Ruhr.

Je weiter man den Kreis schlägt, umso unübersichtlicher wird das Ganze. Gehen dabei nicht wichtige Identifikationspunkte für die Menschen verloren?
Sauerland:
Wir müssen den Metropolgedanken weiter entwickeln, ohne die Identität der einzelnen Städte zu unterminieren. Die alten Wurzeln werden nicht gekappt, unsere Bürger können sich auch in hundert Jahren noch in Duisburger Stadtteilen wie Meiderich, Baerl, Mündelheim oder Rahm zuhause fühlen. Allerdings wird die Region stärker zusammen wachsen, und auf Dauer werden sich neue Funktionseinheiten herausbilden, die dann auch hoheitliche Aufgaben der Kommunen übernehmen. Wir arbeiten bereits immer stärker mit Essen zusammen und streben auch Kooperationen mit Oberhausen und Mülheim an. Diese vier DEMO-Städte könnten im Verbund für Dynamik und Wirtschaftswachstum im Westen stehen.

Wer an Duisburg vorbei weiter nach Nord-Westen fährt kommt irgendwann nach Weeze. Wäre der dortige Flughafen für Ihre Stadt nicht ein interessante Ergänzung?
Sauerland:
Wenn man unsere starke Stellung im Logistikbereich betrachtet, dann kann man zu gar keinem anderen Schluss kommen. Wir haben uns sehr erfolgreich als idealer Standort für den Warenumschlag auf dem Wasser, der Schiene und der Straße positionieren. Dass Duisburg damals seine Anteile am Flughafen verkauft hat, war meines Erachtens ein strategischer Fehler. Der Kreis Kleve hält ja aktuell eine hohe Beteiligung am Niederrhein-Airport, die man wahrscheinlich über kurz oder lang auch wieder reduzieren wird. Als Oberbürgermeister will ich die Stellung dieser Stadt in der Region ausbauen.

Wir schauen uns jetzt an, wie sich die Landesregierung zum Flughafen stellt und wie er sich in der Region entwickelt. Momentan dürften wir keine Anteile am Airport Weeze übernehmen, da er im Betrieb noch rote Zahlen schreibt, aber aus strategischer Sicht müsste man über eine Beteiligung durchaus nachdenken.


Duisburg macht von sich reden.

Mit positiven Beispielen wie der äußerst erfolgreichen Entwicklung des Innenhafens, dem Bau des vierten NRW-Spielcasinos und einer neuen Mercator-Halle sowie den großen Shopping-Projekten in der City sorgt Duisburg für Aufsehen. Als überdimensionaler Tupfen auf dem „i“ mutet dann noch der auf 30 Jahre angelegte neue Masterplan für die Innenstadt an. Die Visionen des britischen Stararchitekten Sir Norman Foster sind eine Mesalliance aus Geniestreich und Größenwahn. Mittendrin im Aufschwung steht Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Er ist der Macher, der die westlichste Großstadt der Metropole Ruhr mit hohem Engagement und viel Optimismus aus dem Tal der Tränen führt. Verzagen gilt nicht, könnte sein Motto lauten.



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