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Nahrungsmittel: Eine Branche im Fokus
Aus der Region auf den Tisch

Wäre Nordrhein-Westfalen eine Tafel, böge sie sich unterm reichhaltigen Angebot stark durch: Aus dem Norden des Landes stammte das Fleisch, der Süden lieferte Obst und Gemüse. Zum Dessert gäbe es Süßes aus dem Westen und dazu Obergäriges aus dem Osten und Wein aus dem Siebengebirge. Und auch Ostwestfalen, das Münsterland und die Metropole Ruhr wären vertreten: Etwa mit Pudding, Feinkost, Brot oder Mineralwasser.

Von Eve Sattler

NRW wird traditionell mit Maschinenbau, Automotive oder Metallverarbeitung in Verbindung gebracht. Aber Obacht: Auch das Lebensmittelgewerbe sorgt im Land für reichlich Beschäftigung. Jedes fünfte deutsche Ernährungsunternehmen sitzt in NRW, wie die Statistiker von Land und Bund festgestellt haben. Zusammen erwirtschafteten die heimischen 1.030 Betriebe mit 96.000 Beschäftigten zuletzt einen Jahresumsatz von 27,1 Milliarden Euro. Damit rangieren sie auf dem fünften Platz in der Umsatz-Hitliste der verarbeitenden Branchen (NEW.S Trends 2006). Geprägt ist die Lebensmittelindustrie vor allem durch kleinere und mittlere Unternehmen, bekannt hingegen ist sie wegen zahlreicher hier ansässiger Global Player wie Krüger, Teekanne, Humana Milchunion oder Dr. Oetker aus Bielefeld.

Eine Frage der Sitzordnung

Das Land bietet als Standort für die Produzenten von Pudding, Fleischwurst, Paniermehl, Nudeln, Roggenmischbrot, Limonade und Co. unbestreitbare Vorteile. Hier gilt es rund 18 Millionen hungrige Mäuler zu stopfen. Außerdem werden die politischen Rahmenbedingungen als gut und die Verkehrsinfrastruktur als noch besser eingestuft, wie die Ergebnisse einer Befragung des Netzwerks Nordrhein-Westfälische ErnährungsWirtschaft Sozialpartnerprojekt e. V. (NEW.S) belegen. Zusätzlich sprechen die Nähe zu den Produzenten der agrarischen Rohstoffe und die zentrale Lage in Europa für NRW.

Kein Brot ohne Ofen

Die Stärke der nordrhein-westfälischen Ernährungswirtschaft lässt sich auch durch eine andere Tatsache verdeutlichen. Denn neben den Herstellern gibt es im Lande noch etwa 700 vor- und nachgelagerte Betriebe. Da ist zum Beispiel der Maschinenbauer, der sich auf moderne Backöfen spezialisiert hat. Eine ganze Riege von Verpackungsexperten unterstützt die Hersteller von Eis, Feinkost oder Schnittkäse. Viele Logistikunternehmen leben davon, dass sie die zwischen Steinfurt und Siegen hergestellten Köstlichkeiten zu den Kunden oder zumindest bis in die Läden bringen können. Übrigens: Acht der zehn größten Lebensmittelhändler Deutschlands steuern ihre Geschäfte von NRW aus. Neben den Branchenriesen Aldi (Mülheim/Essen), REWE (Köln), Metro (Düsseldorf) und Tengelmann (Mülheim) sind aber auch regionale oder mittelständische Handelshäuser wie Dohle aus Siegburg, Ratio aus Münster, der Handelshof aus Köln oder Klaas & Kock aus Gronau wichtige Abnehmer für die heimischen Lebensmittelhersteller.

Innovationen sorgen für Wachstum

Die Lebensmittelproduzenten Nordrhein-Westfalens sind zum Erfinden verdammt. Aufgrund der sich ständig verändernden Essgewohnheiten muss die Branche immer wieder neue Produktideen auf den Tisch bringen, um im Wettbewerb zu bestehen. So ist es zum Beispiel ein selbstgestellter Anspruch des führenden Tiefkühlherstellers Dr. Oetker, dass 15 Prozent des Jahresumsatzes mit Produkten erzielt werden, die innerhalb von zwei Jahren neu auf den Markt gebracht wurden. Die Bielefelder testen viele ihrer Novitäten erst in NRW, bevor sie bundes- beziehungsweise europaweit auf den Markt gebracht werden.


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