Wirtschaftsblatt
Regionen
Nachrichten
Branchen
Praxis
Köpfe
Abo zeichnen Profi-Archiv Ihr Unternehmen im Heft
Zu den Ausgaben: Das nächste Heft ...
Länderheft
Düsseldorf
Bergisches Land
Köln - Bonn - Aachen
Kreis Mettmann
Metropole Ruhr
Niederrhein
Sie befinden sich hier: wirtschaftsblatt.de > Köpfe

Lunch mit
„Dies ist ein Aufschwung der Industrie“

Wo liegen die Stärken, wo die Schwächen der NRW-Wirtschaft? Zum Lunch mit Professor Dr. Michael Hüther, dem Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, traf sich Wirtschaftsblatt-Herausgeber Michael Oelmann im Restaurant L.Fritz in der Domstadt.

Wie, Herr Professor Dr. Hüther, ist die konjunkturelle Lage?
Professor Michael Hüther:
Wir haben eine robuste Konjunkturentwicklung. Noch nie zuvor haben wir eine Weltwirtschaft erlebt, die vier Jahre in Folge um fünf Prozent wächst. Unsere Unternehmen haben sich fit gemacht und damit die Basis geschaffen, in dieser internationalen Arbeitsteilung erfolgreich mitzumachen. Dazu kommt eine lohnpolitische Begleitung, die seit etwa 1997 moderat austariert ist. Die Erfolge sehen wir jetzt, denn auch der Arbeitsmarkt expandiert.

Wie lange hält der Aufschwung?
Hüther:
Ich bin zuversichtlich, dass der Aufschwung trägt. Denn wir sind nicht in einer klassischen Konjunktur, die sozusagen erst hoch und dann wieder runter geht, sondern wir sind auf einem höheren Niveau der gesamtwirtschaftlichen Dynamik. Wir rechnen mit 2,5 Prozent in diesem Jahr und gut zwei Prozent Wachstum im nächsten Jahr.

„Erstaunliche Vorurteile“

Wie sieht es mit den „Sorgenkindern“ Handwerk und Einzelhandel aus?
Hüther:
Im Handwerk sehen wir schon eine deutliche Belebung – verursacht vor allem vom gesünderen Bausektor. Hier haben wir allerdings mittlerweile gewisse Engpässe in der Verfügbarkeit von Baugrundstoffen, weil nach zehnjähriger Anpassung an eine schrumpfende Bauwirtschaft das Umschalten nicht so leicht gelingt. Aber insgesamt sehe ich bei Bau und Handwerk ein Mitziehen in der konjunkturellen Gesamtbewegung. Im Einzelhandel ist es anders. Hier haben wir den negativen Effekt der Mehrwertsteuererhöhung. Entscheidendes Argument für den nachhaltigen Konsum ist aber letztlich die Beschäftigung, und die wächst ja glücklicherweise in diesem Jahr.

Kann man sagen, dass wir zu den Gewinnern der Globalisierung gehören?
Hüther:
Mit Sicherheit, auch wenn dies in der öffentlichen Wahrnehmung noch bei weitem nicht angekommen ist. Es ist erstaunlich, dass sich Vorurteile halten – wie jenes, wir würden unverändert Beschäftigung verlieren. Das Gegenteil ist richtig. Wir haben mit 39,6 Millionen Erwerbstätigen den historischen Höchststand der Beschäftigung errreicht, bei allen Schwierigkeiten bei gering Qualifizierten. Das müsste eigentlich auch öffentlich zu einem Stimmungsumschwung führen.

„Nur mit Dienstleistung läuft
es eben nicht“


Warum bewegt sich NRW bei den Konjunkturdaten nur im unteren Mittelfeld der Bundesländer?
Hüther:
Sie können das Ranking im Wachstum der deutschen Bundesländer genau in Zusammenhang bringen mit der Bedeutung, die die Industrie in diesen Ländern hat. Denn der Aufschwung ist ein Aufschwung der Industrie, nicht der Dienstleistung. Baden-Württemberg steht am besten da, hat die besten Wachstumsraten und niedrigsten Arbeitslosenquoten. Hessen dagegen hat Probleme aufgrund seiner stärkeren Deindustrialisierung in den 80er Jahren. Und genau daraus resultiert auch die unbefriedigende Entwicklung NRWs, denn wir haben einen relativ hohen Dienstleistungsanteil von 52 Prozent.

Wie bitte? Jahrzehntelang wurde doch der Strukturwandel weg von der Industrie, hin zur Dienstleistung als Allheilmittel proklamiert?
Hüther:
Im Grunde hat die Landesentwicklungspolitik lange Jahre ihren Fokus nur auf die Metropole Ruhr und den dort notwendigen Strukturwandel gelegt. Und das ist auch Teil des nordrhein-westfälischen Problems. Dortmund zum Beispiel ist mittlerweile die Halb-Millionenstadt mit nahezu dem geringsten Industrieanteil in der Bundesrepublik. Und wir sehen jetzt die Probleme, die eine solche Region hat. Nur mit unternehmensnahen Dienstleistern läuft es eben nicht. Zu lange hat man unter Strukturwandel nur verstanden: weg von der Industrie, hin zum tertiären Sektor. Richtig verstandener Strukturwandel hingegen führt zu einem Verbundsektor von industriellem Kern und industrienahen Dienstleistungen. Dies regionenübergreifend für alle Landesteile zusammenzubringen, ist die künftige Aufgabe.


Seiten: [1.1] [1.2] 



Weitere Meldungen:
„Weniger ist sicherer“
...weiter
„80 Prozent sind mit mobilen Datendiensten unversorgt“
...weiter
„Der Politik zeigen, dass wir stark sind“
...weiter
„Ein Staat kann nicht einfach abgewickelt werden“
...weiter
„Ein einziges Desaster“
...weiter
„Wir erleben Aufbruchstimmung“
...weiter
„Die Sache angepackt“
...weiter
„Jeder, der wirtschaftet, sollte Gewerbesteuer zahlen“
...weiter
„Eine Kette von Rechtsbrüchen“
...weiter
„Dann gehen wir eben raus aus dem Euro“
...weiter
„Das finde ich schlau“
...weiter
„Es wird ziemlich schrecklich werden“
...weiter
„2015 sind wir Innovationsland Nummer eins“
...weiter
Kirchturm adé
...weiter
Gibt es noch regionale Architektur, Herr Miksch?
...weiter
Zum Archiv
Seite drucken





Zehn Mythen und Fakten in der energiepolitischen Debatte
...weiter
„Der Politik zeigen, dass wir stark sind“
...weiter
„Ein Staat kann nicht einfach abgewickelt werden“
...weiter
„Wir erleben Aufbruchstimmung“
...weiter
„Ein einziges Desaster“
...weiter

Home Impressum Nutzungsbedingungen Mediadaten Abo Kontakt nach oben