Lunch mit... Gibt es noch regionale Architektur, Herr Miksch?
Das Bauen steckt voller Umbrüche: Technisch, ästhetisch, demographisch, nutzungsmäßig und energetisch. Was bedeutet das für die Architekten? Dazu befragte Michael Oelmann in der Reihe „Lunch mit ...“ Hartmut Miksch, den Präsidenten der Architektenkammer NRW. Treffpunkt war das Fischrestaurant „Patrick’s Sea Food“, das rückwärtig im Haus der Architekturen, dem Sitz der Kammer, im Medienhafen in Düsseldorf gelegen ist.
Dipl.-Ing. BDB Hartmut Miksch führt gemeinsam mit einem Partner das Architekturbüro Miksch + Partner in Düsseldorf und ist Präsident der Architektenkammer NRW. Er ist zudem Mitglied des Bundespräsidiums des Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e. V.
Herr Miksch, die Exporeal zeigt’s mal wieder: Im Büro- und Gewerbebau ist zur Zeit ordentlich Dampf. Davon müssten auch die Architekten profitieren... Hartmut Miksch: Die Lage ist gegenwärtig nicht einheitlich. Natürlich gibt es Architekten, die vor allem beim Bürobau viel zu tun haben und gut ausgelastet sind. Aber von den anderen boomenden Segmenten, dem Straßen- und Tiefbau, profitieren Architekten weniger. Bedenken Sie, dass drei Viertel aller Architektenbüros unter fünf Mitarbeiter haben und vor allem aus dem Wohnungsbau ihre Aufträge bekommen. Und der liegt nach wie vor am Boden.
Aber gerade bei den großen Projekten fragt man sich oft, ob es eigentlich keine guten Architekten mehr in Deutschland gibt. Denn immer öfter werden ausländische Büros beauftragt. Miksch: Das stimmt so nicht. Wir haben eine große Anzahl ganz hervorragender Architekten und Büros, die auch eine Vielzahl von aufsehenerregenden Projekten realisiert haben. Und zwar nicht nur in NRW, sondern weltweit. Wir haben also eine Internationalisierung, die in beide Richtungen geht – und das ist auch zu begrüßen. Wohl aber gebe ich gerne zu, dass es eine Zeit gab, in der jede Mittelstadt „ihren“ Gehry haben wollte. Aber da setzt längst ein Nachdenken ein. Bilbao geht nicht überall.
Weil mittlerweile auch die Büroarchitektur austauschbar geworden ist? Die meisten Glasbauten unserer Großstädte könnten doch überall stehen. Miksch: Ich stimme bedingt zu. Zunächst einmal ist es normal, dass gewisse Zeiten aus ihren technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten heraus gleiche Baustile entwickeln. Außerdem unterliegt man gelegentlich auch der Täuschung, wenn man Einzelbauten nur singulär auf Bildern und nicht im städtebaulichen Gesamtkontext sieht. Die Austauschbarkeit von ganzen Stadtbildern gibt es allerdings in der Tat, besonders in Asien. Dort wüsste man kaum noch, in welcher Metropole man gerade ist, wenn man dort blind ausgesetzt würde. In europäischen Großstädten ist dies anders, hier gibt es die gewachsenen Stadtteile. Die behutsame Weiterentwicklung unserer Städte ist eine große Herausforderung für Kommunen, Investoren und Stadtplaner.
Aber auch die Innenstädte werden immer austauschbarer. Die Fußgängerzonen deutscher Mittelstädte haben den Charme von Einheits-„Malls“. Miksch: Das liegt vor allem an den Ketten, die weitgehend die stadttypische Einzelhandelsstruktur ersetzt haben. Man muss sich zum Beispiel die Frage stellen, ob Fußgängerzonen noch die richtige Antwort für unsere Innenstädte sind. Vielleicht wollen die Menschen heute gerade wieder mit dem Auto in die Innenstadt? So oder so: Eine Stadt muss ihren eigenen Stil entwickeln, dann kommen auch die Menschen wieder.