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Wirtschaftsfaktor Freizeit
Geschäfte nach Feierabend

Bald schon 30 Jahre ist es her, dass sich vier britische Adrenalin-Junkies Seile um die Füße banden und sich kopfüber 250 Fuß in die Tiefe stürzten. Und die Freizeitindustrie damit faktisch auf den Kopf stellten.

Eric Weik (r.), Bürgermeister von Wermelskirchen, und Wirtschaftsförderer Heinz Schmitz

So aufregend wie Bungee-Jumps müssen Freizeitbeschäftigungen heute glücklicherweise nur in Extremfällen sein. Aber mit reinen Wanderwegen ist kaum Geld zu verdienen, welches man allerdings bräuchte, um etwa die umliegende Natur zu schützen und ein gutes Miteinander zwischen Menschen und Tier sicherstellen zu können. Kommunale Schwimmbäder brauchen heuer mindestens einen Spaß-Bereich, sonst bleibt der Bademeister allein am Beckenrand zurück. Fahrradfahrer auf teuren Karbon-Rennrädern oder widerstandsfähigen Mountainbikes bevorzugen eigens angelegte Querfeldein-Parcours und moderne Radarenen. Die Zeit nach der Arbeit ist wertvoll, die Menschen suchen den Ausgleich. Schon heute schaffen sie so Beschäftigung für über sechs Millionen Menschen und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht.

Das renommierte B.A.T.-Freizeitforschungsinstitut sieht in seiner neuesten Studie in der Freizeitwirtschaft sogar die Leitökonomie der Zukunft. In den Wachstumsbranchen Tourismus, Medien, Kultur, Sport und Unterhaltung steckten die Märkte von morgen, die keinen Wettbewerb fürchten müssten. Die Bundesregierung bezeichnet die Tourismusbranche gar als „Jobfabrik“ mit Arbeitsplätzen, die nicht ins Ausland verlagert werden können. Durchschnittlich zwei bis drei Prozent des touristischen Nettoumsatzes fließen außerdem durch Gewerbesteuer, Grundsteuer und anteilige Lohn- und Einkommenssteuer an die Kommunen zurück.

Natur in der Nähe

Große Chancen räumen Freizeitforscher Anbietern ein, die in unmittelbarer Nähe der Ballungszentren viel Natur zu bieten haben. Vor diesem Hintergrund hat sich Eric Weik aus der Deckung gewagt. Der Bürgermeister aus Wermelskirchen hat ein Projekt aus der Taufe gehoben, mit dem er landesweit für Aufsehen sorgen könnte, wenn es realisiert würde. Die Kleinstadt mit über 35.000 Einwohnern will zu einem Sportler-Mekka werden. Vor wenigen Wochen stimmte der Stadtrat zu, den Flächennutzungsplan für ein derzeit überwiegend landwirtschaftlich genutztes, 150 Hektar großes Areal im Stadtteil Dhünn zu ändern. Die Vision des jungen Stadtoberen ist inzwischen weit über die Grenzen Wermelskirchens hinaus bekannt. Mit naturwelt Wermelskirchen setzt er auf die wachsende Nachfrage nach Tages- und Wochenendausflugszielen in den Ballungszentren NRWs.

Doch auch spontane Feierabend-Sportler sollen im Sommer im Kletterpark, dem Nordic-Walking-Zentrum, beim Downhill-Mountain-Biking oder Sommertubing, Drachenfliegen oder Grasskilaufen auf ihre Kosten kommen. Das bereits vorhandene Freibad am Rande des Areals soll modernisiert und um einen Sauna- und Wellnessbereich ergänzt werden. Winter wie Sommer sollen Sessellifte helfen, die 80 Meter Höhenunterschied zwischen den Senken und Höhen des Bergischen Landes zu überwinden. Bereits ab der Wintersaison 2009 könnte die Region mit einer eigenen Ski-Hochburg Touristen aus dem gesamten Umland auf die Hänge oder zum Langlaufen, zum Eisklettern und zum Après-Ski locken.


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