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Konjunktur Wirtschaft fühlt sich gut an NRW (6/2006) Zieht die Wirtschaft endlich an? Nach Jahren der Stagnation weisen die aktuellen Indikatoren auf eine Belebung der Konjunktur hin. Auch in Nordrhein-Westfalen geben immer mehr Unternehmer auf die Frage nach dem geschäftlichen Befinden die Antwort: „Gut!“
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Thomas Wegert könnte als Paradeunternehmer durchs ganze Land gefahren werden, um auf einer solchen Tour als Beweis für die wiederkehrende Kraft der Wirtschaft in NRW zu fungieren. Allerdings fehlt ihm für solche Aktionen komplett die Zeit, denn der Geschäftsführer der Johann Feldmann GmbH aus Velbert hat mächtig viel Arbeit. Die von ihm entwickelten Bustüren erfreuen sich einer rasant wachsenden Nachfrage, inzwischen wird im Drei-Schicht-Betrieb gefertigt. Zusätzlich muß der Chef des Familienbetriebs aus der niederbergischen Industrieregion auch noch die neue Baustelle überwachen, denn das Unternehmen investiert zur Zeit eine Million Euro in die Verdreifachung der Produktionsflächen. Und auch etliche Bewerbungsgespräche nehmen den Mittelständler stark in Anspruch, denn bei der Johann Feldmann GmbH entstehen zehn neue Arbeitsplätze. Thomas Wegert hat die Expansion seines Unternehmens gut vorbereitet, jetzt gibt er Gas und ist dabei keineswegs allein: 40 Prozent der Unternehmen aus NRW wollen in diesem Jahr mehr investieren als im Vorjahr, ergab eine aktuelle repräsentative Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus Köln. Das Ergebnis riecht nach Aufschwung, denn der Saldo aus Unternehmen, die ihre Ausgaben für Ausrüstungen ausweiten und jenen, die weniger investieren wollen, liegt jetzt um zehn Punkte höher, als noch bei der vorangegangenen Umfrage im Herbst 2005.
Zuversicht in den Prognosen
Die Konjunktur in Nordrhein-Westfalen belebt sich spürbar, und erstmals seit Jahren könnte es sein, daß die Prognosen der führenden Wirtschaftswissenschaftler nach oben korrigiert werden müssen. „Wir gehen davon aus, daß das Bruttoinlandsprodukt Nordrhein-Westfalens mit 1,6 Prozent parallel zum Bundesdurchschnitt wachsen wird“, sagt Dr. Roland Döhrn, Leiter des Kompetenzbereichs „Wachstum und Konjunktur" beim Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Das weltwirtschaftliche Klima sei weiterhin günstig, und die Auslandsnachfrage sowie Investitionen stimulierten die Konjunktur in NRW. Ein positiver Faktor für die Wachstumsentwicklung im Land sei die stahlverarbeitende Industrie. „Der Branche geht es momentan sehr gut“, sagt der Mann vom RWI. Die zweite Stütze des Aufschwungs sei der Dienstleistungssektor, der zwischen Rhein und Weser voraussichtlich etwas stärker wachsen dürfte als im Bundesdurchschnitt.
Gewinne steigen
„Die Ergebnisse der ersten drei Monate dieses Jahres und besonders der gute Start ins zweite Quartal untermauern unsere Prognose für 2006“, rief Metro-Chef Hans-Joachim Körber Mitte Mai den Aktionären auf der Hauptversammlung zu. Der Konzern rechnet weiterhin mit einer Umsatzsteigerung von vier bis sechs Prozent und einem Zuwachs des Ergebnisses je Aktie von 5 bis 8 Prozent im laufenden Geschäftsjahr. Und auch im Vorjahr schon hatte der Handelsriese mit Sitz in Düsseldorf mehr verdient. An ähnlich guten oder sogar noch deutlich besseren Ergebnismeldungen publizitätspflichtiger Unternehmen herrscht derzeit kein Mangel. Experten gehen davon aus, daß auch der etwas verschwiegenere Mittelstand seine Gewinne in diesem Jahr abermals wird steigern können. „Auf Basis der jüngsten Steuerschätzung werden die Firmen in Deutschland 2006 rund 93,4 Milliarden Euro und damit sechs Milliarden Euro mehr als 2005 an den Fiskus abführen“, sagt der Finanz- und Steuerpolitikexperte Professor Dr. Winfried Fuest vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Bei ihrer Berechnung haben die Rheinländer die prognostizierten Ausgaben der Unternehmen für Einkommens-, Körperschafts-, Gewerbesteuer und den anteiligen Solidarbeitrag addiert. Geschätzte 18 Milliarden Euro müssen dabei die Unternehmen aus NRW in diesem Jahr an ihre Finanzämter und in die kommunalen Kassen abführen. Das diesjährige Plus an Unternehmenssteuern wird vor allem durch Mehreinnahmen aus der Gewerbesteuer gespeist, die ja ein klares Indiz für steigende Gewinne ist, weil sie sich an der objektiven Ertragskraft des jeweiligen Unternehmens bemisst. Das Volumen erreicht nach Berechungen des IW in diesem Jahr mit geschätzten 34,2 Milliarden Euro einen neuen Rekord. Allerdings: Wo Licht ist, ist auch Schatten. „Was für die Gemeinden einen Segen bedeutet, ist für die Unternehmen gerade im Hinblick auf den internationalen Steuer- und Standortwettbewerb ein Fluch“, sagt Professor Fuest.
Goldener Boden glänzt wieder
Nach einer langen Durststrecke sehe auch das Handwerk wieder Licht am Ende des Tunnels, meldet der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) nach einer schriftlichen Befragung bei rund 20.000 Mitgliedsunternehmen aus NRW. Die Handwerker beurteilen ihre Geschäftslage deutlich positiver als in den zurückliegenden Jahren. Im ansonsten eher für eine etwas pessimistischere Grundeinstellung bekannten Handwerk bedeutet der verwendete Begriff von „spürbarer Stimmungsaufhellung“ schon Einiges. Zum zweiten Mal in Folge stieg der Geschäftsklimaindex kräftig an und erreicht jetzt einen Wert von 73 Prozent. Zuletzt wurde dieses Niveau vor fünf Jahren erreicht. Viele Handwerksbetriebe im Land haben sich inzwischen auf eine Nachfragesteigerungen eingestellt und auch die mittelstandsfreundliche Politik in Nordrhein-Westfalen sei für die Aufbruchstimmung im Handwerk mitverantwortlich. Vor allem das Programm zur energetischen Gebäudesanierung wird nach Einschätzung des WHKT für zusätzliche Nachfrage in den Bau- und Ausbauhandwerken sorgen, womit sich zeigen würde, daß steigende Energiekosten nicht nur ein immenses Risiko für die Wirtschaft darstellen, sondern in einigen Bereichen auch einen Investitionsschub auslösen können.
Neue Kauflust
Die Einkaufsstraßen und Shoppingcenter in den Städten überall in NRW sind endlich wieder voll. Die Menschen sind in Kauflaune und gönnen sich etwas. Das haben auch schon die Statistiker festgestellt. Die Stimmung der Verbraucher sei so gut wie zuletzt vor fünf Jahren, meldete das Marktforschungsinstitut GfK vor wenigen Wochen. Ungefähr seit Jahresbeginn spüren die Einzelhändler die gute Stimmung auch in den Kassen. „Wir haben seither ein Plus von rund 1,5 Prozent registriert“, sagt Peter Achten. Der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes in NRW sieht trotz der leichten Umsatzschwäche im April nach langer Stagnation endlich einen positiven Trend. „Wir werden in fast allen Sortimenten zulegen“, gibt er sich zuversichtlich. Gut so!
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