Seit vier Jahren vergibt das Wirtschaftsblatt den Preis „Unternehmer des Jahres“. Eine Jury aus 120 Geschäftsführern, Vorständen und Mittelständlern von NRW-Unternehmen wählt dabei aus Vorschlägen der Redaktion dieser Zeitschrift eine Person, die durch „unternehmerischen Mut und gesellschaftliches Engagement am Standort“ heraussticht. Der diesjährige Preisträger ist Hasso von Blücher, dessen Erkrather Unternehmen ABC-Schutzanzüge herstellt. Hasso von Blücher hat zudem einen örtlichen Förderverein mit initiiert und widmet sich der Revitalisierung einer innerstädtischen Industriebrache. Wir dokumentieren hier Auszüge aus seiner Rede anlässlich des Festaktes am 27. November in Heiligenhaus, die den abenteuerlichen Weg seines Unternehmens zur weltweiten Marktführerschaft beschreibt.
„Ich bin gerührt und erschrocken. Gerührt, weil ein Lob mehr bewirkt als 100 Tadel. Das gilt sowohl für die Humanpädagogik wie auch für die Hundeerziehung. Erschrocken, weil es das erste Mal ist, dass ich mir eine Laudatio anhören muss, ohne dass ich Gelegenheit hatte, wegzulaufen oder dem Laudator den Hals umzudrehen. Spontan schoss mir ein Ausspruch Josef Beuys’ durch den Kopf: es werde nirgends so viel gelogen, wie bei Beerdigungen. Ich unterstelle, unser aller Seelenheil im Auge, dass diese Preisverleihung weniger mit einer Beerdigung als mit einer Geburt zu tun hat.
Geboren wird zur Zeit, nach langer Schwangerschaft und unter Schmerzen, die neue Stadtmitte Alt-Erkraths. Eines kleinen, beschaulichen und weithin unbekannten Städtchens am Eingang des Neandertals an den Toren Düsseldorfs. Mit der Firma Neue Mitte Erkrath GmbH versuchen wir, dort auf über fünf Hektar, auf dem Gelände der ehemaligen Edelstahlgießerei Posemarré ein neues Zentrum für Alt-Erkrath zu entwickeln. Wir wollen ein Mehrgenerationen-Quartier oder „Dorf“ bauen und die Belegung nur aufgrund der verschiedenen Wohnungs- und Hausformen sanft steuern. Kirchliche und weltliche Wohlfahrtsorganisationen werden das Management der Nachbarschaftsbeziehungen übernehmen. Alle haushaltsnahen Dienstleistungen, vom Putzen, Kochen, Einkaufen, bis hin zur mobilen Pflege, werden auf einer kommerziellen Basis angeboten. Vielleicht wird sich sogar die Kultur der Leihoma entwickeln. Man muss abwarten.
Ignoranter Mammonismus
Das alles kostet Geld, viel Geld. Mein Ehrgeiz jedoch besteht nicht darin, mit diesem Projekt einen möglichst großen Gewinn einzufahren, sondern darin, möglichst viel von unseren Plänen Wirklichkeit werden zu lassen und dabei keinen Verlust zu machen. Die ökonomischen Zwänge in allen Ehren. Aber, nicht die sind es, die die Unwirtlichkeit unserer Städte verursachen, sondern es ist der Mangel an Mut, Engagement und Phantasie, gepaart mit der nackten Gier. Ich nenne es den ignoranten Mammonismus. Die bewusstlose Anbetung des Gottes Mammon, der hektische Tanz um das goldene Kalb. Nicht die philanthropische Stiftung post mortem als Ablass für die Sünden invivo kann uns weiterbringen, sondern nur der ständige Versuch, Bewusstsein und Phantasie, für mich zusammengefasst im Begriff der Kunst, gepaart mit Menschenfreundlichkeit im alltäglichen Leben wirken lassen. Und da eben besonders in den langlebigen und unverrückbaren Zeugnissen unseres Strebens und Trachtens, in unseren Häusern und Städten.