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Interview „Eilig gezimmerte Lösungen enden fast zwangsläufig in einem Fiasko“ Kreis Mettmann (6/2006) Viele Unternehmer im Kreis Mettmann wissen noch nicht, wer einmal ihren Betrieb übernehmen wird. Besonders schwierig erscheint die Nachfolgeregelung bei kleinen und mittleren Firmen aus dem Metallgewerbe.
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Der Grund: Diese Firmen brauchen Übernehmer, die etwas von der Materie verstehen und kaufmännisches Know-how vorweisen können. Außerdem erschwert die Kapitalintensität der Branche die Suche nach einem neuen Chef. Die Unternehmensberaterin Christa Bender-Hörmandinger kennt diese Probleme. Sie berät seit Jahren mittelständische Produktionsunternehmen in Nachfolgefragen und rät vor allem dazu, sich Zeit für den Prozeß zu nehmen.
Frau Bender-Hörmandinger, wie lange braucht man, um einen Nachfolger zu finden? Christa Bender-Hörmandinger: Auch mit qualifizierter Begleitung ist die Vorbereitung einer Betriebsübergabe eine Sache von Jahren. Wenn man sich einen Wunschtermin für den Ausstieg setzt, sollte man idealerweise mindestens zehn Jahre vorher mit den ersten Schritten beginnen. Eilig gezimmerte Lösungen enden hingegen fast zwangsläufig in einem Fiasko.
Wie beginnen Sie einen solchen Prozeß? Bender-Hörmandinger: Unternehmensübergaben innerhalb einer Familie sind im Mittelstand eine gute Lösung. Daher kläre ich zu allererst, ob eigene Kinder oder nahe Verwandte am Unternehmen interessiert sind und mit welchen Erwartungen beide Seiten an eine Nachfolge herangehen würden. Es nützt nichts, wenn beispielsweise der Sohn mit seinen Auffassungen von Betriebsführung hinter dem Berg halten muß, weil die abgebende Generation damit Akzeptanzprobleme hätte. Generell macht qualifizierte Unterstützung von außen nicht nur Sinn, damit alle betriebswirtschaftlichen, steuer-, gesellschafts- und erbrechtlichen Aspekte kompetent ausgelotet werden, sondern auch, um emotionale Befindlichkeiten berücksichtigen zu können. In der Metallbranche gibt es zudem noch geschlechtsspezifische Hürden. Töchter haben es deutlich schwerer, den väterlichen Betrieb zu übernehmen als Söhne.
Und wenn kein Nachfolger in der Familie gefunden werden kann? Bender-Hörmandinger: Dann werden unterschiedliche Nachfolgeszenarien andiskutiert, um zu ermitteln, was ein potentieller Nachfolger mindestens an Persönlichkeit und Kompetenzen mitbringen muß, um aus Sicht des Betriebsinhabers das Unternehmen erfolgreich weiterführen zu können. Ein solches Anforderungsprofil erleichtert die Suche erheblich. In einem nächsten Schritt werden dann die Wege festgelegt, wie man einen Nachfolger finden könnte. Dazu gibt es zum Beispiel seriöse Unternehmensbörsen im Internet und Partner in meinem Netzwerk. Immer wieder erlebe ich aber auch, daß ein klärendes Gespräch mit wichtigen Leistungsträgern im Unternehmen sehr hilfreich sein kann. So haben einige Chefs erst von Ambitionen erfahren, die in ihren besten Mitarbeitern steckten. Wenn klar ist, daß es keinen ‚geborenen’ Nachfolger gibt, sollte der Unternehmer beginnen, seine Alterssicherung ohne mögliche Verkaufserlöse oder Pachten zu planen.
Wie kann man sich bei der Auswahl eines Nachfolgers vor Fehlgriffen schützen? Bender-Hörmandinger: Bevor man beginnt, sich ernsthaft mit einem möglichen Nachfolger zu beschäftigen, muß man sich eine belastbare Informationsgrundlage verschaffen. In intensiven Gesprächen werden Ziele verglichen und eine Vertrauensbasis aufgebaut. Natürlich müssen auch alle finanziellen Fragen plausibel und nachweisbar geklärt werden. Kompetenzen können schließlich am besten während einer Probephase überprüft werden. Es gibt da eine ganze Reihe von Möglichkeiten, und man muß immer einen individuell passenden Ansatz finden, um dem jeweiligen Unternehmer, seiner persönlichen Situation und seinem Betrieb gerecht werden zu können. In vielen meiner Projekte haben wir zudem immer wenigstens eine akzeptable Alternative entwickelt, um in keinem Fall von einer bestimmten Nachfolgelösung abhängig zu werden.
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