von Thomas Scharfstädt
In der Fahrzeugproduktion kann man schon heute einen Blick auf die Zukunft der Schweißtechnik werfen. In dieser Branche, in der Roboter schon früh große Teile der Fertigung übernommen haben, werden derzeit die ersten Modelle einer neuen Generation von Festkörperlasern eingeführt. Laserstrahlen, von Spiegeln blitzschnell gelenkt, schweißen Baugruppen in einem Zehntel der bisher benötigten Zeit zusammen und ermöglichen damit ganz neue Anwendungen. Doch trotz großer Fortschritte, die vor allem bei der Steigerung der Laser-Leistung auf bis zu 20 Kilowatt gemacht wurden, werden diese die älteren Verfahren wie das Lichtbogenschweißen nicht ersetzen, weiß Professor Dr.-Ing. Uwe Reisgen, Leiter des Instituts für Schweißtechnik und Fügetechnik an der RWTH Aachen. Konventionelle Verfahren und Methoden werden auch in der Zukunft ihre starke Stellung behalten. Zumal deren Hersteller nicht untätig geblieben sind und sich erfolgreich auf die Anforderungen der Industrie, zum Beispiel bei der Verarbeitung neuartiger Leichtbaustähle, eingestellt haben.
Lösungen, nicht Verfahren zählen
Die Beispiele zeigen nach Ansicht von Dr.-Ing. Klaus Middeldorf, Hauptgeschäftsführer des DVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V. , dass es bei der Frage nach der Zukunft der Schweiß- und Fügetechnik weniger darum geht, welches Verfahren sich durchsetzt, sondern welche Lösung: „Vor rund zehn Jahren hieß es, dass Kleben das Widerstandspunktschweißen ersetzen werde. Dazu ist es nicht gekommen. Heute werden Karosserieteile geschweißt und geklebt oder durch Lichtbogentechnik mit Laserstrahl kombiniert geschweißt. Hybrid-Verfahren werden weiter an Bedeutung gewinnen. Vor allem dort, wo besonders dicke Bleche geschweißt werden müssen.“ In Bereichen wie dem Schiffsbau zum Beispiel bietet die Kombination aus Laserstrahl- und Lichtbogenschweißen enorme Vorteile, weil sich die Bleche schneller und präziser verbinden lassen und dabei weniger stark verformen. Folgerichtig setzt der Verband mit seinen über 18.000 Mitgliedern, darunter mehr als 60 Forschungsinstitute und über 200 forschende Unternehmen, stark auf Forschung gerade in diesen wichtigen Bereichen. Ihm zur Seite steht deutschlandweit ein Netzwerk aus Einrichtungen wie den Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalten. Dieser Verbund, die GSI – Gesellschaft Schweißtechnik International mbH, ermöglicht eine unternehmensnahe Forschung und Entwicklung sowie professionelle Qualifizierung von Personal auf allen fachlichen Ebenen. |