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Mehr als die Hälfte der KMU kaufen Engineering-Dienstleistungen zu
Wo sich Partnerschaften entwickeln

Der Dienstleistungsgedanke hält beständig Einzug in den industriellen Sektor. In zunehmendem Maße dienen sich Forscher und Entwicklungsbüros den Unternehmen im Bergischen Land als externe Engineeringschmieden an. Gefragt sind sowohl flexible Generalisten als auch hoch spezialisierte Fachleute, doch die Zusammenarbeit braucht Eingewöhnungszeit.

von Christiane Gibiec und Karsten Sander

Rund 29 Milliarden Euro setzten im Jahr 2006 nach Angaben des Verbandes Beratender Ingenieure VBI die deutschlandweit etwa 58.000 Ingenieure im Dienstleistungsgeschäft um. Das Spektrum der Anbieter ist breit gefächert und reicht vom kleinen Ingenieurbüro bis zu großen Unternehmen, die zum Beispiel auf den Bau großer chemischer Anlagen oder auch Bahnhöfen spezialisiert sind. Die Nachfrage hat in den vergangenen Jahrzehnten stark angezogen. Aktuell kaufen nach Einschätzung von Hans-Jürgen Alt, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer VDMA in Nord­rhein-Westfalen, mehr als die Hälfte der deutschen mittelständischen Industrieunternehmen Ingenieurleistungen auf dem freien Markt zu. Tendenz weiter steigend.

Eher Konstruktion als Innovation

Dabei liegt der Schwerpunkt auf der praktischen Umsetzung, weniger bei der Unterstützung von Innovationsprozessen. „Im Bereich der Produktentwicklung, wo es um sensible Informationen geht, sind die Firmen eher vorsichtig mit der Fremdvergabe“, erläutert Alt. Im Bereich der Konstruktion erkenne sein Verband aber deutlich eine Zunahme der Kooperationen. „Die Dienstleister sind in der derzeitigen guten Konjunkturlage hoffnungslos ausgelastet. Es ist allerdings schwierig, kompetente Engineering-Dienstleister zu finden. Nach unserer Erfahrung muss die Zusammenarbeit wachsen und braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit“, fährt Hans-Jürgen Alt fort. Auch neue Anbieter loten die Chancen, die dieser Markt bietet, aus. Vom konjunkturellen Zyklus nicht im vollen Umfang erfasste Maschinenbauer, etwa aus dem Bereich der Textilwirtschaft, prüfen die Öffnung ihrer FuE-Abteilungen für Aufträge aus anderen Branchen. Für Innovationsforscher wie Professor Dr. Bernd Kriegesmann ist mit solchen Entwicklungspartnerschaften noch nicht der Stein der Weisen gefunden. „Gerade im Entwicklungsbereich sind spezifische Kompetenzen erforderlich, die kaum kurzfristig zwischen Branchen ausgetauscht werden können“, relativiert der Präsident der Fachhochschule Gelsenkirchen und Vorstandsvorsitzende des Bochumer Instituts für Angewandte Innovationsforschung IAI die Erfolgsaussichten solcher Zusammenarbeiten.

Neue Ausbildungskonzepte gegen den Mangel

Auch im Bereich des Engineering-Consultings ist ein Kampf um die besten Köpfe entbrannt. Nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure VDI sind allein in Nordrhein-Westfalen über 20.000 Ingenieurstellen unbesetzt, deutschlandweit sind es fast 97.000. Betroffen ist vor allem der Maschinen- und der Fahrzeugbau, die annährend die Hälfte aller offenen Ingenieurstellen auf sich vereinen. Was sich für die Industrie als besorgniserregend darstellt, kann für Engineering-Dienstleister zur Bedrohung ihrer wirtschaftlichen Existenz werden, sind die klassischen Produzenten für die umworbenen Fachkräfte doch meist die gefragteren Arbeitgeber (siehe Interview). Die zum Greifen nahe Abkühlung der Konjunktur werde nach Ansicht der Experten die Not zwangsläufig lindern, aber gleichzeitig könne die Notwendigkeit des Gegensteuerns aus dem Blickfeld des öffentlichen Interesses verschwinden. „Wer keinen Leidensdruck mehr verspürt, hält sich allzu oft mit zukunftsgerichtetem Engagement zurück“, lautet denn auch das Urteil des Innovationsforschers Kriegesmann. „Eine exzellente Möglichkeit, sich von Konjunkturzyklen stärker abzukoppeln, stellt die Umsetzung dualer Studiengänge dar, über die eine gewerbliche Ausbildung mit einem Studium verzahnt wird. Selbst wenn die ausbildenden Betriebe die Absolventen nicht übernehmen, haben diese gute Arbeitsmarktchancen“, endet Professor Kriegesmann sein Plädoyer für regionale, branchenübergreifende Ausbildungsverbünde.


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