von Hartmut Giesen
Mittlerweile sind die Abteilungen vieler Unternehmen auf verschiedene Standorte verteilt – häufig auf mehrere Städte, Regionen oder gar Länder. Management und Marketing sitzen in Europa, die Produktion findet in Osteuropa oder Asien statt. Durch das globalisierte Zusammenwirken in Netzwerken verschwimmen die Unternehmensgrenzen; Manager, Berater und Experten arbeiten in Home Offices und auf Reisen; Waren reisen auf langen Versorgungs- und Lieferwegen um die Welt. Die physische Unternehmensgrenze als Sicherheitsschleuse existiert nicht mehr. Piraten in Somalia oder Hacker in Russland werden so auch eine Gefahr für Unternehmen in Düsseldorf. Dazu setzt sich die Virtualisierung von Unternehmen fort: Die IT, ohne die heute kein wesentlicher Geschäftsprozess funktioniert, verlagert sich in externe Rechenzentren, Software wird ortsunabhängig aus der Steckdose nach Bedarf bezogen, der PC verschwindet in der Wolke des Cloud-Computing. Diese Wolken haben natürlich den Vorteil, dass Unternehmen sich nicht mehr um ihre IT kümmern müssen und sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können. Es macht ihre Datennetze und den Datenverkehr aber auch angreifbarer. Gleichzeitig sind die gesetzlichen Vorschriften verschärft worden, und die Haftungsrisiken für Unternehmer und Management steigen. Risikomanagement und Compliance-Vorgaben etwa zum Datenschutz zwingen zu wohl dokumentierten Sicherheitskonzepten. Unternehmenssicherheit ist damit zu einer komplexen Spezialistenaufgabe geworden – für die das Topmanagement aber die Verantwortung nicht delegieren kann.
Die Tücken der Statistik
Zunächst einmal klingt es beruhigend: Sowohl in Deutschland insgesamt als auch in Nordrhein-Westfalen ist die Wirtschaftskriminalität gesunken. Republikweit um acht Prozent, in NRW sogar um 25 Prozent. Aber: Proportional zu den eher geringen Fallzahlen – 88.000 in Deutschland, 13.000 in NRW – ist der Schaden extrem hoch: 800 Millionen Euro im Land, 4,12 Milliarden in der Bundesrepublik. Und auch in anderer Hinsicht sind grundlegende Statistiken zur Wirtschaftskriminalität irreführend, wenn es darum geht, das Gefahrenpotenzial für Unternehmen festzustellen. Denn erstens geht man in dem Bereich von einer großen Dunkelziffer aus, zweitens bezieht sich der Begriff Wirtschaftskriminalität an sich auf den Verstoß gegen eine Reihe von Wirtschaftsgesetzen, nicht genuin auf das Opfer-Unternehmen. Straftaten wie Diebstahl oder Raub gegen Unternehmen werden in der Diebstahlstatistik erfasst. Die verzeichnet etwa für 2007 in NRW fast 4.000 Diebstähle aus Wirtschaftsräumen, Büros und Produktionsstätten. Im Bereich von Straftaten gegen Unternehmen wird diese Zahl nur durch über 100.000 Ladendiebstähle übertroffen.
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