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NRW-Einzelhandel
Zurück in die Mitte

Wenn Einzelhändler heute das Wehklagen anderer Branchen verfolgen, haben sie dafür häufig nur ein müdes Lächeln übrig. Beinahe traditionell müssen sie sich schon seit Jahren rückläufigen Umsätzen erwehren. Doch immer öfter gelingt Standorten in NRW durch ein gemeinschaftliches Engagement von Handel, Immobilienbesitzern und Verwaltung erfolgreich das Gegensteuern.

Innenstädte, wie hier in Hilden, besitzen Anziehungskraft: Gemeinsames Engagement aller Verantwortlichen kann auch die Stadtkerne in Mittelstädten beleben

Routiniert verkündete Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), anlässlich der Frühjahrs-Konjunktur-Pressekonferenz in Düsseldorf die aktuellen Zahlen. Demnach erwartet der Einzelhandel, zumindest bis Mitte 2009, das Niveau des Vorjahres halten zu können. Für die zweite Jahreshälfte rechnet der HDE mit „einer etwas schlechteren Entwicklung“. Abseits der aktuellen Aufregung über das Ableben etablierter Kaufhaus-Marken führen viele inhabergeführte Geschäfte seit Jahren einen harten Überlebenskampf. „5.000 Mittelständler werden in diesem Jahr die Waffen strecken müssen. Über die redet niemand“, so der HDE-Pressesprecher Hubertus Pellengahr. Geschäftsführer Genth bestätigt dies: „Die Kleinen haben die größeren Probleme.“ Doch zeigt sich die Branche handlungsfähig. Neue Konzepte sollen dem Sterben des Einzelhandels in den Innenstädten entgegenwirken, wie das Wirtschaftsblatt in ganz NRW fand.


© GfK GeoMarketing

Wie man mit vereinten Kräften erfolgreich neue Wege beschreiten kann, zeigt ein Beispiel aus Castrop-Rauxel. Noch vor sechs Jahren bestimmte in der Stadt der Metropole Ruhr gähnende Leere das Straßenbild beidseits der Schaufenster. Viele Ladenlokale in der Innenstadt standen leer, die Fassaden waren stark erneuerungsbedürftig. Mit dem Zusammenschluss zahlreicher Akteure zur Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Castrop Altstadt vor drei Jahren hat sich das geändert. Einzelhändler, Marktbeschicker und Immobilenbesitzer investieren seither viel Zeit und Geld in die Attraktivierung des Stadtquartiers. Mit Erfolg: Die Aufenthaltsqualität konnte durch eine neue Fassadengestaltung, die Anschaffung von Pflanzkübeln und die Einrichtung von Spielpunkten für Kinder deutlich verbessert werden. Mit der Initiierung von Veranstaltungen, einer Verbesserung des Parkraumangebots und einer breit angelegten Service-Offensive in den Geschäften ist es den Aktiven gelungen, die Kundenfrequenz wieder zu erhöhen und neue Käuferschichten in die City zu locken. Von der Veränderung angezogen, bereichern Filialisten wie C&A und die Mayersche Buchhandlung jetzt das Warenangebot der Innenstadt. Im nächsten Schritt wolle man die Rechtsform der ISG als erste Gemeinschaft landesweit manifestieren, berichtet der 2. Vorsitzende Professor Ulrich Breilmann. Das ist seit Mitte vergangenen Jahres möglich und nimmt vor allem die Immobilienbesitzer stärker in die Pflicht. Breilmann: „Der Grundgedanke ist einfach: Jeder, der von der Attraktivität eines Stadtquartiers profitiert, soll sich auch finanziell beteiligen, um es zu erhalten – im Rahmen einer ISG ist er dazu künftig rechtlich verpflichtet.“

Renaissance der Innenstädte

Die innerstädtischen Qualitäten bewahren und ausbauen helfen soll auch ein aktueller Beschluss der NRW-Politik. Ende vergangenen Jahres hat die Landesregierung einen neuen Einzelhandelserlass auf den Weg gebracht, der sicherstellen soll, dass Sortimente wie Bekleidung, Lederwaren, Schuhe oder Schmuck in größerem Umfang nur in den Stadtzentren angeboten werden dürfen. Die grüne Wiese bleibt entsprechend Discountern, Baumärkten und Möbelhäusern vorbehalten. Zurück in die Mitte könnte man den Trend nennen, den Experten schon vor einiger Zeit ausgemacht haben. Eine Erhebung, die das Marktforschungsinstitut GfK GeoMarketing in 81 deutschen Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern durchgeführt hat, belegt, dass sich sowohl die Umsatzzahlen als auch das Angebot an Verkaufsfläche in den Stadtkernen seit 2003 nach Jahren des Rückgangs wieder positiv entwickelt haben. In den vergangenen fünf Jahren stieg der Umsatz um 8,8 Prozent, die Flächenausstattung gar um 26,2 Prozent.


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