Nicht jedes Unternehmen kann Weltmarktführer werden oder sollte sich das vornehmen. Auch in der globalisierten Welt der Zukunft wird es Geschäfte mit lokalem Radius geben. Neben Starbucks wird das örtliche Café weiterexistieren, und der Hausarzt wird nicht durch einen Ferndiagnostiker in Bangalore oder Guangchou ersetzt – zumindest nicht vollständig. Diese Beispiele typisch ortsgebundener Geschäfte deuten aber auch an, dass sich jedes Unternehmen und jeder Selbständige Gedanken darüber machen muss, wie die Globalisierung sein Geschäft berührt. Denn schon heute werden etwa komplexe radiologische Dienstleistungen von amerikanischen Gesundheitsdienstleistern nach Indien ausgelagert. Und natürlich lässt die Eröffnung eines Starbucks-Ladens die Kundschaft des örtlichen Cafés nicht unberührt. Es gibt kaum ein kleines Unternehmen, das nicht von der Globalisierung tangiert wird. Das beinhaltet andererseits ungeahnte Chancen.
Im Grunde können Klein- und Kleinstunternehmen, die international vermarktbare Produkte oder Services anbieten, die Lehren der Hidden Champions direkt übernehmen. Ambitiöse Ziele, enger Marktfokus, Globalisierung, Kundennähe, Innovation – das alles passt eins zu eins. Sie haben dann die Chance, selbst zu Hidden Champions zu werden. Doch auch für Firmen, deren Geschäft lokaler Art ist, sind die Lehren der Hidden Champions von Nutzen. Denn in jedem lokalen Markt gibt es einen Champion, das beste Restaurant, das führende Bekleidungsgeschäft, den Bäcker mit den frischesten Brötchen. Die Ambition, der Beste in seinem Markt zu sein und in diesem die Marktführerschaft durch Leistung anzustreben, erscheint auch auf der lokalen Ebene als ein lohnendes und die Mitarbeiter motivierendes Ziel.
Viele Mittelständler auch in mittleren Unternehmensgrößen erzielen nach wie vor den Löwenanteil ihrer Umsätze im Inland, obwohl sie stark genug wären, sich in ausländischen Märkten zu behaupten. Was können diese Unternehmen nun von den Hidden Champions lernen? Die erste und wichtigste Lehre sehe ich darin, die Hidden Champions als Vorbilder zu wählen und aus ihren Erfolgen den Mut abzuleiten, selbst international aktiver zu werden. Die Entscheidung zur Internationalisierung erfordert es, dass man seine Strategie schärft. Es bietet sich dabei an, den Methoden zu folgen, mit denen die Hidden Champions international Erfolg hatten. Das heißt, dass praktisch alle Elemente der Hidden Champions-Strategie für mittlere Unternehmen, die internationalisieren wollen, wertvolle Lehren enthalten – und zwar sehr viel nützlichere, als man sie in Lehrbüchern zum internationalen Management findet. |