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Der Bürgermeister im Gespräch
„Wir ebnen die Wege“

Im Interview berichtet Bürgermeister Harald Birkenkamp über das Erfolgsrezept der Ratinger Ansiedlungspolitik und künftige Flächenentwicklungen.

Herr Birkenkamp, Vodafone, Coca-Cola, Nokia, Amand, Esprit und jetzt Makita. Die Liste der am Standort Ratingen vertretenen Firmen liest sich wie ein Who is Who der Wirtschaft. Alles Unternehmen der ersten Garnitur mit der sich jede Kommune gerne schmückt. Was ist das Geheimnis ihres Erfolges? Harald Birkenkamp: Oberstes Ziel der Wirtschaftsförderung ist es, den ansiedlungswilligen Unternehmen das Gefühl zu vermitteln, hier in allen Belangen gut aufgehoben zu sein. Unsere Aufgabe ist es, Wege zu ebnen, Entscheidungsprozesse zu begleiten und gegebenenfalls zu beschleunigen sowie eventuell auftretende Probleme kompetent, möglichst zeitnah und zielorientiert zu lösen. Wir achten insbesondere auch auf die Einhaltung der zeitlichen Ablaufplanungen mit beteiligten nichtstädtischen Behörden.

Das Interesse am Wirtschaftsstandort Ratingen scheint ungebrochen. Können Sie den Interessenten denn auch zukünftig ausreichend Gewerbeflächen anbieten? Birkenkamp: Wir sind auf weitere ansiedlungswillige Betriebe gut eingerichtet. Ein Argument für den Wirtschaftsstandort Ratingen ist auch das attraktive Angebot an verfügbaren Grundstücks- und Büroflächen. Speziell in Lintorf in den Gebieten An den Dieken, am Breitscheider Weg und an der Rehhecke gibt es langfristig großes Entwicklungspotential für hochwertige Gewerbeansiedlungen und auch für Wohnbebauungen. Makita und Vodafone, deren Campus nur 200 Meter Luftlinie entfernt liegt, werten den Standort zusätzlich auf und haben eine Magnetwirkung auf andere Interessenten.

Wie sieht die zukünftige Ausweitung des Flächenangebots aus? Gibt es Neu- und Umnutzungsprojekte?
Birkenkamp:
Der Schwerpunkt liegt in jedem Fall auf der Entwicklung von Flächen im Innenbereich wie im Fall des ehemaligen Balke-Dürr-Geländes, um eine Zersiedelung zu vermeiden. Desweiteren zielen wir darauf ab, uns im Rahmen einer städtischen Bodenvorratspolitik Gewerbeflächen zu sichern, um so im Bedarfsfall schneller und unabhängiger agieren zu können. Darüber hinaus entsteht an der Oberhausener Straße in Ratingen auf einem insgesamt 125.000 Quadratmeter großen Gelände der Neubau der JVA Düsseldorf. Er wird bestehende Einrichtungen ersetzen, die dem aktuellen Bedarf nicht mehr genügen. Im Zuge der Verhandlungen um dieses Gelände konnten wir die Zustimmung der Bezirksregierung erwirken, neue Flächen auszuweisen, die noch nicht im Flächennutzungsplan enthalten sind – und zwar im Verhältnis 2:1, das bedeutet für 1.000 Quadratmeter, die auf den Neubau der JVA entfallen, können 2.000 Quadratmeter Fläche neu ausgewiesen werden. Dadurch konnte auch das neue Outlet von Esprit ermöglicht werden.

Gibt es Branchenschwerpunkte, die Sie weiter verstärken möchten? Birkenkamp: Auch wenn mittlerweile 20 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze auf die Kommunikationsbranche entfallen und Ratingen gerade in der Elektroniksparte einen guten Ruf als Firmenstandort genießt, setzten wir bei der Ansiedlung von Unternehmen keine Prioritäten. Bei uns sind alle Betriebe willkommen, die zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, möglichst wenige Emissionen verursachen und ertragsstark sind.

Sie haben sich in der Vergangenheit als Bürgermeister und oberster Wirtschaftsförderer häufig mit in die Verhandlungen eingebracht. Wie wichtig ist es im Kontakt mit Weltkonzernen, dass sich der Bürgermeister persönlich einschaltet? Birkenkamp: Die Rückmeldungen, die wir erhalten, und unsere Erfahrungen sind uneingeschränkt positiv. Die Vorstandsebene weiß eine gut funktionierende Projektablaufplanung sehr zu schätzen, so dass manches – falls nötig – zur „Chefsache“ erklärt wird, um die Herbeiführung von Entscheidungen zu erleichtern. Das ist zum Teil mit einem hohen Zeitaufwand verbunden, aber die erfolgreichen Ansiedlungen der vergangenen Jahre beweisen, dass es sich lohnt.

Wer kommt als nächster? Birkenkamp: Nun, es ist noch nichts spruchreif, aber so viel kann gesagt werden: wir sind bereits wieder in vielversprechenden Verhandlungen.



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