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Round Table Bauen 2009
Stadt ist nicht gleich Stadt

Der Blick aufs große Ganze reicht auf keinen Fall. Wer sich von der Entwicklung des Immobilienmarkts in Deutschland ein Bild machen will, muss viel genauer hinschauen, denn es gibt keine einheitlichen Muster mehr. Sogar innerhalb gewachsener Kreisstrukturen liegen heute Kommunen mit steigenden Grundstückspreisen neben solchen mit stagnierenden oder sogar sinkenden Erlösen pro Quadratmeter Bauland. Wie kann man auf solche Entwicklungen reagieren? Das Wirtschaftsblatt hatte zu einem Runden Tisch gebeten, um zu klären, mit welchen Ideen oder Ansätzen man aktuell am Markt erfolgreich sein kann.

Die Teilnehmer
Das Wirtschaftsblatt lud ein – und Sachverstand kam. Zum Round Table beim Deutschen Städtetag in Köln begrüßte Wirtschaftsblatt-Magazinleiter Michael Kranz (v. l.) Dieter Janzen (Leiter Projektentwicklung West bei Kondor Wessels), Folkert Kiepe (Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr beim Deutschen Städtetag) und Bernd Bötzel (Vorstandsmitglied beim Projektmanagementunternehmen DU Diederichs).

Herr Kiepe, wie ist die Stimmung in den Kommunen?
Folkert Kiepe:
Es herrscht große Unsicherheit wegen der wachsenden Arbeitslosigkeit und der damit einhergehenden Finanzentwicklung.

Aber wir spüren doch eine Belebung der Konjunktur, und die Arbeitslosenzahlen sind auch keineswegs so stark angestiegen, wie viele prognostiziert haben?
Kiepe:
Sie sind gestiegen, und sie werden im Oktober und November wohl noch weiter steigen. Auch wenn die Entwicklung nicht dramatisch sein wird, es reicht, um die kommunalen Kassen durch wachsende Ausgaben für Transferleistungen und Hartz IV stark zu belasten. Auf der anderen Seite werden uns rückläufige Gewerbesteuereinnahmen gemeldet, es gibt bereits Städte, die zurückzahlen müssen.

Unsicherheit macht vorsichtig. Herr Bötzel, 60 Prozent Ihrer Aufträge kommen von der öffentlichen Hand. Spüren Sie die Zurückhaltung so stark, dass Sie deshalb nach Curacao ausweichen, wo Sie gerade ein Hotelprojekt managen?
Bernd Bötzel:
Keineswegs. DU Diederichs hat in 2009 bis jetzt schon mehr Aufträge generiert als im gesamten Jahr 2008. Die Mittel aus den Konjunkturpaketen, die in die Bereiche Energie, Bildung und Infrastruktur fließen, sind durchaus mit belebender Wirkung in der Baubranche angekommen. Ich sehe die große Verunsicherung eher bei den Projektentwicklern. Sie bekommen keine oder weniger Kredite für Bauträgergeschäfte. Curacao machen wir nicht, weil es hier nichts mehr zu tun gibt, sondern weil es ein spannendes Projekt mit Alleinstellungsmerkmalen ist, und Alleinstellungsmerkmale werden auch bei uns in den nächsten zehn Jahren das Wesentliche für erfolgreiche Projektentwicklung sein.

Dieter Janzen: Grundsätzlich ist es die Finanzierung, mit der alles steht und fällt. Dankenswerterweise ist Kondor Wessels auch eigenkapitaltechnisch so gut aufgestellt, dass wir bislang noch jede Finanzierung hinbekommen, aber es ist aktuell doch weitaus schwerer, als vor der Krise. Ohne wirklich überzeugende Gebäude- und Nutzungskonzepte braucht man wahrscheinlich gar nicht mehr zur Bank zu gehen, gute Lageargumente allein reichen nicht mehr aus.

Regionalisierte Nachfrage

Herr Kiepe, Sie haben auf einer Tagung im Juni vorausgesagt, dass Stadtplanung in den kommenden Jahren sehr anstrengend wird, weil die Kommunen neben dem demografischen Wandel auch noch Wanderbewegungen einrechnen müssen. Gilt das für alle?
Kiepe:
Während man früher nur eine Ost/West-Bewegung im Blick hatte, muss man die Bevölkerungsentwicklung heute eher regional betrachten. Selbst in wachstumsstarken Regionen wie Hamburg, München, der Rheinschiene oder Stuttgart gibt es Quartiere mit drastischen Entwicklungsproblemen, und selbst in schrumpfenden Gebieten gibt es Städte, die ihre Einwohnerzahlen steigern können. Besonders schwierig wird es immer da, wo auch das Wirtschaftswachstum fehlt. Wir versuchen als Städtetag, in erster Linie den Erfahrungsaustausch zu pushen und den einzelnen Städten so Gelegenheiten zu bieten, von den anderen zu lernen und Netzwerke zu bilden.


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