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Der Tanz der Moleküle

Oberflächlich betrachtet, gibt sich der Mensch niemals zufrieden. Er bemängelt den fehlenden Schliff, mag nichts Ungehobeltes und empfindet Farblosigkeit als langweilig. Deshalb setzt er alles daran, diese Missstände zu beseitigen. Und bringt sogar Moleküle zum Tanzen, um die Oberflächenqualität zu perfektionieren.

Von Brigitte Waldens und Dr. Werner Olberding

Nun sind die wenigsten Dinge von vornherein mit einer makellosen Haut ausgestattet. Doch glücklicherweise gibt es Mittel und Wege, um das, was oben drauf ist, zu veredeln. Das richtige Finish kann eine Menge bewirken. Die visuelle Attraktivität steigern, die Haptik optimieren oder sogar Schutz vor schädlichen Einflüssen bieten. Bereits simple Maßnahmen wie Säubern, Glätten oder Polieren führen zu einer spürbaren Verbesserung. Echte Zauberer aber sind die vielfältigen, innovativen Beschichtungen, die auf der Oberfläche wahre Wunder vollbringen. Mit Hilfe von molekularen Strukturen, chemischen Verbindungen und physikalischen Prozessen gelingt es ihnen, die Beschaffenheit der Oberfläche gezielt zu verändern und den individuellen Ansprüchen anzupassen. Sehr zum Vorteil des Menschen. In Krankenhäusern besteht beispielsweise ein hohes Risiko, mit infektiösen Erregern in Kontakt zu kommen. Für diese Bakterien, Viren und Keime waren vielbenutzte Lichtschalter lange Zeit die idealen Übertragungsherde. Damit ist es nun vorbei. Dafür sorgen antimikrobielle Silber-Ionen, die in das Kunststoffmaterial eingeschleust und durch den ständigen Kontakt mit der Luftfeuchtigkeit wieder freigesetzt werden. So entsteht an der Schalteroberfläche eine antibakterielle Dauerwirkung, der Mikroorganismen restlos eliminiert und die Bildung neuer Bakterienstämme zuverlässig verhindert.

Zwerge arbeiten im Untergrund

In der Welt der Oberflächen gehen die Innovationen zunehmend in die Tiefe. Die Nanotechnologie macht es möglich, das Werkstoffgefüge bis hinab auf die Ebene der Moleküle zu bearbeiten. Denn im Zwergenkosmos gelten Größenordnungen, die unsere Vorstellungskraft übersteigen. Ein Nanometer ist der milliardste Teil eines Meters – das entspricht etwa dem Fünfzigtausendstel des Durchmessers eines menschlichen Haares. Daraus ergeben sich ungeahnte Perspektiven. Künftig lassen sich zusätzliche Eigenschaften oder Funktionen verwirklichen, die ohne den Einsatz der Nanotechnik im Makrobereich nicht realisierbar wären. Und das schier grenzenlose Innovationspotential ist längst noch nicht ausgeschöpft. Daher nimmt die Nanotechnologie im 21sten Jahrhundert eine herausragende Schlüsselstellung ein, um den Fortschritt gerade auch auf dem Gebiet der Oberflächenbeschichtung weiterzubringen.

Wettkampf der Moleküle von Emil Schult


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