Von Dr. Martin Schöneberger
Man habe den Absturz nicht vermieden, aber man habe ihn überlebt. So beschreibt Martin Kannegiesser, Präsident von Gesamtmetall, mit vorsichtiger Erleichterung die Lage im Jahr Zwei nach der Weltwirtschaftskrise. Die deutsche Metall- und Elektroindustrie musste nach Jahren des Booms im letzten Jahr ihren größten Härtetest in der Nachkriegsära durchmachen. Vom Höchststand im August 2008 ist ihre Produktion innerhalb eines halben Jahres jäh um fast 30 Prozent eingebrochen. Die Auftragseingänge sanken gleichzeitig sogar um mehr als ein Drittel. Doch längst zieht in der Branche wieder Optimismus ein. Wenn es wieder aufwärts geht in den Märkten, wollen Metallindustrie und Maschinenbau aus Deutschland ein gewichtiges Wort mitreden.
Vieles liegt am Export
Im Guten wie im Schlechten hängt vieles vom Export ab. Der Gesamtumsatz der Vorzeigebranche brach 2009, dem Jahr der großen Krise, auf 770 Milliarden Euro ein – davon entfiel der Löwenanteil von 456 Milliarden Euro auf die Exportwirtschaft. Diese enorme Abhängigkeit erklärt auch zu einem guten Teil ihre konjunkturelle Anfälligkeit. In der Metall- und Stahlindustrie sind die Auswirkungen der Globalisierung, der verschärfte Wettbewerb, der Preiskampf noch deutlicher spürbar als auf anderen Märkten. Ein Paradebeispiel hierfür ist Wolfram, das neben Diamond als das härteste Metall der Welt gilt und wegen seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, ob im Automobilbau, der Licht- oder Messtechnik, der Formgebung, der Werkzeugherstellung oder der Luftfahrt schlicht als das Metall der Superlative gilt. Um diesen vielseitigen Grundstoff zum Sieden zu bringen, sind immerhin Temperaturen wie auf der Sonnenoberfläche, nämlich cirka 5.900 Grad Celsius, erforderlich. Jahrelang kannte die weltweite Nachfrage nach diesem faszinierenden Wunder der Natur nur die eine Richtung: nach oben. Die Jahresproduktion kletterte auf bis zu 80.000 Tonnen weltweit. Eine Entwicklung, die allerdings auch viele industrielle Anwender zur Weißglut brachte. Weil nämlich die Rohstoff- und Energiekosten noch stärker in die Höhe schossen, haben sich die Kosten für Wolfram zu Boomzeiten schlicht verdreifacht – und etliche Unternehmen mussten zusehen, wie ihre Gewinnmargen buchstäblich dahinschmolzen. Vielen blieb für Rücklagen und Investitionen nicht allzu viel übrig. Dann kam 2009 die weltweite Finanz- und Konjunkturkrise. Die Umsätze brachen hier wie in der gesamten Metallbranche auf breiter Front um ein Drittel und mehr ein. |