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Wachstumshilfe aus Fernost

Know-how-Ausverkauf oder Segen? Immer mehr ausländische Investoren finden Gefallen an deutschen Mittelständlern. Für die birgt das wachsende Interesse vor allem Chancen. Denn die Investoren bringen oft nicht nur Geld mit, sondern bieten auch Zugang zu neuen Märkten.

Wie zwischen Chinas Vize-Premier Li Keqiang (3. v. l.) und Kanzlerin Merkel – hier bei Konsultationen im Januar – ist auch die Distanz zwischen deutschen Mittelständlern und der chinesische Wirtschaft geringer, als sie augenscheinlich wirken mag

Von Julia Groth

Mit dem Maschinenbauer Schiess aus Aschersleben in Sachsen-Anhalt ging es jahrelang bergab. Zahlreiche Sanierungsversuche blieben erfolglos, die Produktionshallen verfielen. Dann kam die Shenyang Machine Tool Group (SYMG). Vor rund sechs Jahren übernahm der chinesische Maschinenbaukonzern das marode Unternehmen. Seitdem geht es bergauf. „Deutschland sollte keine Angst vor der Globalisierung haben“, sagte SYMG-Vorstand Xiyou Guan anlässlich der Einweihung einer neuen Montagehalle im vergangenen Jahr. Ein guter Rat, interessieren sich ausländische Unternehmen und Private-Equity-Investoren doch immer stärker für den deutschen Mittelstand. „Das meiste Geld kommt aus China und Indien“, sagt Frank Schaffrath, Mitglied der Geschäftsleitung der Frankfurter Fusions- und Übernahmeberatung Klein & Coll. Auch aus Russland fließt immer mehr Kapital in deutsche Unternehmen. „Die Geldgeber suchen Zugang zu technischem Know-how aus Deutschland und wollen neue Märkte erschließen“, sagt Schaffrath. Für chinesische Investoren ist Deutschland mittlerweile der wichtigste europäische Standort.

Das Reich der Mitte tätigt hierzulande rund die Hälfte seiner Investitionen in Europa, hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest ausgerechnet. Insbesondere Maschinenbauer wie Schiess sind für chinesische und andere ausländische Investoren von Interesse. Aber auch Automobilzulieferer und Firmen aus den Branchen Telekommunikation, Elektronik, Optik und erneuerbare Energien sind gefragt. Nicht immer werden die Investitionen so offen kommuniziert wie bei Schiess. Dabei haben die Geldgeber aus Fernost einen guten Ruf im Mittelstand. „Sie investieren nachhaltig und strategisch“, sagt Schaffrath. Komplettübernamen dominieren den Markt, Minderheitsbeteiligungen sind seltener. Die neuen Eigentümer bringen oft ein Vorprodukt mit, das neue Chancen für angeschlagene Firmen bietet.

Kein Wunder, dass der deutsche Mittelstand dem steigenden Interesse aus dem Ausland positiv gegenüber steht – trotz traditionellen Misstrauens gegenüber Private-Equity-Investoren und Übernahmeofferten ausländischer Unternehmen. „Die Investoren werden auf Seiten der Eigentümer überwiegend als Chance empfunden“, sagt Bernd Papenstein, Finanzierungsexperte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Nur zwei potentielle Konfliktherde fallen ihm ein: Es könne sein, dass ausländische Investoren die hiesigen Unternehmensstrukturen nicht verstehen – keine gute Voraussetzung für eine Beteiligung. Zweitens könne die Belegschaft Vorbehalte hegen. Hier helfe es, aufeinander zuzugehen. Angst muss die deutsche Wirtschaft vor ausländischen Investoren jedenfalls nicht haben, meinen Experten. „Ihr Einstieg in den deutschen Mittelstand ist eine Form der Vernetzung, ein zentraler Erfolgsfaktor im globalen Wettbewerb“, sagt Papenstein. „Diese Entwicklung ist eine zusätzliche Chance für eine Teilhabe des deutschen Mittelstandes am globalen Wachstum.“



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