Herr Goebel, Sie sind vor einem Monat Nachfolger Patrick Adenauers als Präsident des Verbandes Die Familienunternehmer geworden. Was wollen Sie in Ihrer Amtszeit erreichen? Lutz Goebel: Ich will vor allem die Bedeutung der Familienunternehmen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt und für die Gesellschaft insgesamt gegenüber der Politik und den Medien klarmachen. Ich will, dass man keine Gesetze gegen uns und unsere Betriebe macht, sondern dass man uns dabei unterstützt, erfolgreich sein zu können. Denn das ist gut für unser Land.
Wie wollen Sie sich in Berlin gegen die verschiedenen Interessengruppen durchsetzen? Industrie, Gewerkschaften, Branchenverbände sind dort hochprofessionell aufgestellt. Wir Familienunternehmer haben einen großen Vorteil. Wir haben seit 60 Jahren einen ordnungspolitischen Kompass. Und wir fordern keine Privilegien oder Subventionen für uns, sondern wir wollen vernünftige Rahmenbedingungen. Das kommt sowohl bei den Politikern als auch bei den Medien gut an.
Stoßen Sie denn bei Gesprächen mit Politikern überhaupt auf marktwirtschaftliches Verständnis? Immerhin verfügen die meisten Parlamentarier kaum noch über praktische Berufserfahrung, geschweige denn, dass sie Unternehmer sind. Es wird in der Tat immer schwieriger. Wenn man sich zum Beispiel die CDU anschaut, dann hat dort offensichtlich der soziale Flügel mehr zu sagen als der Wirtschaftsflügel. Überhaupt hat man es in der Politik mit sehr vielen Berufspolitikern zu tun, die teilweise direkt nach ihrer Ausbildung in den Bundestag gewandert sind. Unternehmer gibt es da ganz klar zu wenige. Auf der anderen Seite muss man auch sagen, dass Berufspolitiker ein Fulltime-Job ist. Deswegen kann man als Unternehmer auch nicht „so mal eben“ in die Politik wandern.
Aber sieht unsere Verfassung nicht vor, dass Abgeordnete des Bundestages aus allen gesellschaftlichen Gruppen kommen sollten, und nicht in erster Linie Berufs-Parteipolitiker sein sollten? Das wäre wünschenswert. Aber heute ist das leider völlig anders. Es gibt eine ganze Reihe von Politikern, die sehr gut davon leben. Teilweise sind das junge Leute, die in den Bundestag gewählt werden, und die könnten woanders nie wieder so viel Geld verdienen wie dort im Bundestag. Das führt auch dazu, dass diese Politiker oft nicht ihr eigenes Gewissen oder ihre eigene Meinung vertreten, sondern sich im Fraktionszwang gewissen Dingen unterordnen. Ich bin sicher, das gilt momentan auch für die Frage des Euro-Rettungsschirms. Etliche Parlamentarier würden da ganz anders entscheiden, wenn Sie könnten.
Beschreiben Sie bitte den Typus des Familienunternehmers. Was kennzeichnet ihn? Was unterscheidet ihn von Managern? Der typische deutsche Familienunternehmer ist regional stark verwurzelt. Er hat in der Regel ein sehr gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern – und das braucht er auch, um erfolgreich mit seinem Unternehmen zu sein. Er ist gerne bereit, Steuern zu zahlen, aber es muss fair zugehen. Er hat in aller Regel eine sehr langfristige Orientierung, die dahin geht, das Unternehmen an die nächste Generation weiterzureichen. Er wird deswegen versuchen, vorsichtig zu sein. Unabhängigkeit ist für ihn ein unheimlich wichtiges Thema, also die Unabhängigkeit von Banken oder von anderen Menschen. Das spielt für ihn eine sehr wichtige Rolle. |