Von Michael Kranz
Hinter der Nummer 1 im Ranking steht die Familie von Dieter Schwarz. Seine Firmengruppe mit Hauptsitz im baden-württembergischen Neckarsulm und 310.000 Mitarbeitern hat im Jahr 2010 in europaweit etwa 9.000 Lidl-Filialen und weiteren 1.000 Kaufland-SB-Warenhäusern rund 60 Milliarden Euro eingenommen. 499 Plätze dahinter rangiert die Spezialbauholding der Familie Wiebe aus dem niedersächsischen Dörverden. Die Firmengruppe, die unter anderem zu den europäischen Marktführern im maschinengebundenen Gleisbau zählt, hat 2010 mit 1.300 Mitarbeitern einen Umsatz von 315 Millionen Euro erwirtschaftet.
Überwältigendes Gesamtergebnis
Alle Top 500 deutschen Familienunternehmen aus dem exklusiven Wirtschaftsblatt-Ranking zusammen haben im Jahr 2010 827,22 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Der Bund kam im gleichen Zeitraum nur auf Steuer- und Verwaltungseinnahmen von annähernd 260 Milliarden. Die einfache Addition unterstreicht die große Bedeutung von Familienunternehmen für die deutsche Volkswirtschaft. Sie sind ihre solide, langfristig belastbare Stütze, auch wenn aktuell mit dem Drogerieriesen Schlecker aus dem bayerischen Ehingen (Platz 20) und dem Schiffs- und Maschinenbauer Sietas aus Hamburg (Platz 413) zwei Insolvenzfälle in der Liste vertreten sind.
Starkes NRW und starker Süden
Blickt man auf die Verteilung der großen Familienunternehmen im Land, ergeben sich nicht ganz unerwartete Gewichtungen: Mit 158 Unternehmen unangefochten an erster Stelle steht das größte Bundesland, Nordrhein-Westfalen. Fast gleichauf mit je fast 20 Prozent Anteil an den Top 500 liegen die wirtschaftlichen Schwergewichte im Süden: Baden-Württemberg (94 Unternehmen) und Bayern (92). Eine bemerkenswerte Kultur und Stärke der Familienunternehmen weist das Bundesland Niedersachsen an vierter Stelle auf: 57 Unternehmen aus dem Ranking haben dort ihren Sitz. Es folgen der Stadtstaat Hamburg (23), Hessen (22) und Rheinland-Pfalz (17). Schleswig-Holstein ist mit zehn Familienunternehmen in der Rangliste vertreten, gefolgt von Berlin und Bremen mit je sieben sowie das Saarland mit sechs Unternehmen. Wie sehr die Ausmerzung von Freiheit, Eigentum und Marktwirtschaft in der DDR Schaden an der Familienunternehmen-Kultur gestiftet hat, zeigt die Lage in den neuen Bundesländern: Sachsen hat immerhin vier Unternehmen in den Top 500, Brandenburg deren zwei. Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt stellen einen Vertreter. |