Um über 80 Milliarden auf 916 Milliarden Euro sind 2011 die Gesamteinnahmen der 500 umsatzstärksten Familienunternehmen Deutschlands im Vergleich zu 2010 angestiegen. Die hohe Wachstumsdynamik der größten familiengeführten und inhaberkontrollierten Firmen des Landes weckt Zuversicht.
Eine noch beeindruckendere Kennzahl aus der aktuellen Top 500 des Wirtschaftsblatt erhält man, wenn man die Beschäftigtenzahlen addiert. Weltweit stehen rund 4,22 Millionen Menschen bei den 500 umsatzstärksten Familienunternehmen Deutschlands in Lohn und Brot. Die Ergebnisse des exklusiven Wirtschaftsblatt-Ranking unterstreichen eindrucksvoll die immense Bedeutung der Familienunternehmen für die deutsche Wirtschaft. „Nicht nur in Europa beneidet man uns Deutsche um die mittelgroßen und großen Vertreter aus der ansonsten kaum fassbaren Gruppe der Familienunternehmen“, bestätigt auch Lutz Göbel, Präsident des Verbandes Die Familienunternehmer - ASU. Die vielfach über viele Generationen gewachsenen und zur Diversifizierung neigenden Familienbetriebe seien ein Alleinstellungsmerkmal des Wirtschaftsstandortes Deutschland.
Neun von zehn Unternehmen melden Umsatzwachstum
Ältestes Familienunternehmen im Ranking ist die 1530 gegründete Prym-Gruppe aus dem rheinischen Stolberg. Der Zulieferer für die Handarbeits-, Textil- und Automobilbranche ist auch nach 14 Generationen immer noch vollständig im Besitz der Familie. Mit 16 Geschäftsjahren jüngstes Familienunternehmen unter den Top 500 ist die Juwi-Gruppe. Der Spezialist für die Nutzung erneuerbarer Energiequellen wurde 1996 von Fred Jung und Matthias Willenbacher gegründet. Bei der Erststellung der vorliegenden Liste haben die Redakteure des Wirtschaftsblatt mit fast allen Unternehmen direkt Kontakt aufgenommen. 90 Prozent der befragten Firmen konnten ein Umsatzwachstum vermelden. Bei den Gesprächen zeigte sich, dass vor allem die unmittelbar familiengeführten Unternehmen sehr schnell und umfassend auf konjunkturelle Schwankungen und sich verändernde Märkte reagieren. Zu den schwierigsten Branchen für Familienunternehmen gehören aktuell der unsichere Solarsektor, der unter Überkapazitäten leidende Automobilzuliefererbereich und das Druckgewerbe. In diesen Bereichen spürt man eine wachsende Bereitschaft zu mehr Offenheit und Zusammenarbeit. Hybride Wertschöpfung in branchenübergreifenden Kooperationen – bei denen neue Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden, mit denen sich zusätzliche Geschäftsfelder erschließen lassen – stehen hoch im Kurs.
Authentizität durch Information
Deutschlands umsatzstärkstes Familienunternehmen bleibt die Firmengruppe der Familie von Dieter Schwarz. Mit dem Discounter Lidl und der SB-Warenhauskette Kaufland als Hauptumsatzbringer erwirtschaftete man 2011 rund 63,4 Milliarden Euro. Die Schwarz-Gruppe gehört zu den eher verschwiegenen Familienunternehmen in Deutschland. Generell tut sich der Handel schwer mit zu viel Transparenz. Dynastien wie die Albrechts (Aldi) und die Cloppenburgs (P&C) lassen sich nicht auf den Abschlussbon schauen. Doch eine Erfolgsvoraussetzung ist das Spiel mit verdeckten Karten nicht, wie die Brenninkmeijers (C&A), Götz Werner (dm) oder die Deichmanns beweisen. Festzuhalten ist, dass eine moderne Informationspolitik in sozialvernetzwerkten Zeiten für Glaubwürdigkeit und Authentizität sorgen kann. In der vorliegenden Liste fehlen der Lebensmitteleinzelhändler tegut aus dem hessischen Fulda und der Modehändler Bonita aus dem niederrheinischen Hamminkeln. Die Redaktion strich die beiden traditionsreichen Familienunternehmen nach Rücksprache, weil sie im Jahr 2012 verkauft wurden. tegut ist inzwischen eine Tochter der Schweizer Migros Handelsgenossenschaft und Bonita gehört zum börsennotierten Hamburger Lifestyle-Konzern Tom Tailor. Auch in der zweiten Auflage des Großen Familienunternehmerreports haben wir keine Familienunternehmen berücksichtigt, die börsennotiert sind. MiK
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