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Chancen in der Stadt

Womit kann man denn aktuell im Immobilienmarkt noch eine ordentliche Kapitalverzinsung erreichen? Herr Kiepe, Sie haben zu Beginn des Gesprächs auf die angespannte Finanzlage der Kommunen verwiesen. Wird das Public Private Partnerships (PPP) befördern?
Kiepe:
Da kann ich nur eine typische Juristenantwort geben: Es kommt darauf an. Die privaten Partner stellen ihr Geld für öffentliche Investitionen zur Verfügung, wenn sie langfristig eine Rendite erwarten können. Die öffentlichen Hände müssen sich überlegen, wie viel ihnen die Vorfinanzierung und der dadurch gewonnene Zeitvorsprung wert ist. Generell glaube ich, dass aktuell vor allem viele Potentiale in der Revitalisierung von innerstädtischen Industriebrachen oder ehemaligen Bahnflächen stecken. Seit der Nachkriegszeit hat es nicht mehr so viele freie Grundstücke in bester Citylage gegeben.

Janzen: Kondor Wessels setzt aktuell in erster Linie auf Wohnen. Wir glauben, dass auch Einfamilienhäuser oder Doppelhäuser renditeträchtige Kapitalanlagen sein können. Das Prinzip ist einfach: Man hat einen relativ geringen Verwaltungsaufwand, weil sich jeder Mieter für sein eigenes Haus verantwortlich fühlt, und wenn ich das Haus eines Tages verkaufen will, wohnt unter Umständen sogar mein Käufer schon darin. In Wuppertal wird die private Vermögensgesellschaft unseres Inhabers Dirk Wessels darum mehrere der von uns gebauten Häuser übernehmen. Ansonsten haben wir für uns den Wachstumsmarkt Gesundheit entdeckt. In Mülheim wird ein medizinisches Versorgungs- beziehungsweise Facharztzentrum in unser Ruhrbania-Projekt integriert.

Bötzel: Das Thema reiner Wohnungsbau würde ich relativieren. Meines Erachtens geht es aktuell vor allem um Alleinstellungsmerkmale. Auf dem Areal des alten Güterbahnhofs in Düsseldorf stehen etliche sechsgeschossige Gebäude, und mitten drin steht ein Ufo – fünfgeschossig – darauf schwebt eine silberne Kuppel. Ich bin mir sicher, dass dieses Gebäude die höchste Rendite bringt, weil es etwas ganz Besonderes ist. Zur Zeit ist die Finanzierung oftmals das größte Problem. Bauträger brauchen eine gewisse Vorverkaufsquote, sonst können sie nicht anfangen. Daher schlägt jetzt die Stunde der Family Offices, die mit eigenem Geld interessante Objekte realisieren und sich damit eine goldene Nase verdienen.

Beispiel Münsterland: Mit dem Projekt Klostergärten wollen der Projektentwickler Frankonia Eurobau und die Westfälische Provinzial Versicherung mitten in Münster neue Maßstäbe in Sachen Wohnen setzen. Auf dem Gelände eines ehemaligen Franziskanerklosters entstehen in vier Stadtvillen und einem Stadtpalais bis Mitte kommenden Jahres 92 Luxus- Wohnungen. Zur Ausstattung gehören ein Doorman-Service, ein Private Spa und eine Lounge. Der alle Gebäude verbindende Arkadengang ist als moderne Interpretation des mittelalterlichen Klosterkreuzgangs gedacht.


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